Pilgern auf der Via Gebennensis: Faramans - Revel-Tourdan Etappe 12
- Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra

- vor 1 Tag
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Lies unten, was Frau Pilgerhut auf der Farm der 1000 Farben alles begeistert
Via Gebennensis - Tag 12 - Mohn und das Paradies auf Pilgererden

Wenn die Blüten wie die Seele aufblühen
Habe mir für heute einen Erholungstag vorgenommen: Wenig Strecke, wenig Steigung, viel Pausen, dazu angenehmes Pilgerwetter. Blühende Mohnfelder und Wildwiesen dominieren meinen heutigen Weg. Ich lieb's!
Normalerweise braucht mein Körper ca. 10 Tage bis er akklimatisiert und fit ist. Tatsächlich ist es auch dieses Mal wieder so, seit gestern fühle ich mich endlich so richtig angekommen und kann den Weg genießen, auch der Husten scheint sich allmählich zurückzuziehen, es ist zwar noch nicht wieder richtig gut, aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie zu Beginn meiner Reise.
Ansonsten laufe ich wie immer alleine und treffe auch heute wieder auf keine andere Pilgerseele. Nicht falsch verstehen, ich laufe gerne allein, aber hin und wieder mal einen Fußabdruck, dass ich nicht "The one and only Pilgrim" im Umkreis von 20 Kilometern bin, wäre nicht so schlecht. Mal abgesehen von dem sächsischen Duo und Walter, die ich in St. Rotherens bei Isabelle traf, sowie André in Le Pin bei Roland. Aber die vier Herren werde ich einfach nicht wieder treffen, weil sie viel schneller sind und dazu längere Etappen gehen als ich. Ich weiß aber, dass es noch zwei, drei andere Pilger gibt, die nicht zu weit vor mir unterwegs sind, denn in den Kirchen und Herbergen liegen öfter Bücher aus, die man hier "Livre d'or" (goldene Bücher) nennt. Dort verewige ich mich, male ein kleines Pilgerfigürchen dazu und lese die datierten Zeilen und Namen meiner Vorgänger. Es gibt sie.


Nach Revel - ohne Tourdan
Hin und wieder muss ich heute auch die breiten Forstwege verlassen und für ein paar Hundert Meter auf engen, überwachsenen Pfaden am Rande von Sonnenblumen- oder Maisfeldern zwischen unangenehm tiefen Regenrillen balancieren, aber nichts weiter dramatisches. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht in ein vom Gras überwuchertes Loch trete und mir den Knöchel breche.
Nach einer Snackpause vor der Kirche in Pommier-de-Beaurepaire (Foto mit dem silbernen Auto davor) , komme ich viel zu früh in Revel an. Das ist der obere Stadtteil, der sich an den Hang schmiegt. Der untere heißt Tourdan und liegt einen Kilometer weiter, und etwas tiefer, in der Ebene zu meiner Linken. Dorthin brauche ich jedoch nicht abzusteigen, der Jakobsweg verläuft anders.
Revel verfügt über einen mittelalterlichen, verstaubten Charme. Es besaß einst eine Burg, von der heute nur noch ein paar Mauerreste existieren. Angeblich hat man von den Ruinen aus einen Blick bis zu den Alpen, aber obwohl heute sonniges Wetter herrscht, kann ich keine Alpen erkennen.
Von Revel sind es noch ca. 2 Kilometer zu meiner heutigen Unterkunft, aber ich habe auch noch locker 2 Stunden Zeit, bis ich dort sein soll. Deshalb schaue ich mir das alte, kleine Städtchen ausgiebig an. Der Stadtkern präsentiert sich, für mich wenig überraschend, menschenleer und die Häuser in der für die Region typischen Bauweise. Wahrscheinlich fehlen mir ein paar historische Informationen, um besser zu verstehen, was ich vor mir habe. Also belasse ich es bei einer Pause, liegend auf einer Bank in der Sonne, nachdem ich eine Art Tante Emma Laden entdeckt habe, der noch von der Enkelin der ursprünglichen Tante Emma, einer zahnlosen Großmutter, geführt wird, und tatsächlich geöffnet hat. Mein Glückstag! Dort hat eine Zitronenlimo die Besitzerin gewechselt. Solche Käufe werden nach wie vor ausschließlich mit Bargeld abgewickelt.
Ankunft im Paradies auf Pilgererden
Zwei Stunden später laufe ich bei Fred ein. Ich hatte mich schon sehr gefreut auf seine außergewöhnliche, kreative, bunte, detailreiche, durchdachte, liebevoll ausgestaltete Unterkunft. Sie war mir im Vorfeld wärmstens empfohlen worden. Übertraf meine Erwartungen aber noch bei weitem. Als er mir eröffnet, dass ich heute alleine im 10er Schlafsaal nächtigen werde, bin ich allerdings, nur ganz kurz, ein ganz klein wenig traurig. Diese Unterkunft zu teilen wäre noch viel schöner gewesen.

Zwölfte Übernachtung: La ferme de 1000 Couleurs - Minimum 5 Pilgersterne!
Zwei Kilometer hinter Revel-Tourdan direkt an der Via gelegen hat Gastgeber Fred ein wahres Paradies für Pilger geschaffen, liest dir jeden Wunsch von den Augen ab, zaubert ein fantastisches Abendessen & superüppiges (un)französisches Frühstück und ist eine Seele von Mensch. Ein Herzensmensch. Das absolute Übernachtungshighlight auf dem ganzen Weg. Nicht verpassen und unbedingt eine Übernachtung bei ihm einplanen, auch wenn man eigentlich noch weitergehen könnte!
Der nächste Etappenstopp heißt für mich: Saint-Romain-de-Surieu
Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies weiter im nächsten Beitrag.
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