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Pilgern auf der Via Gebennensis: Le Pin - La Frette Etappe 10

  • Autorenbild: Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
    Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
  • 20. Nov.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Lies unten, was Frau Pilgerhut in der Kirche von La Frette besonders überraschend fand

Via Gebennensis - Tag 10 - 19 Kilometer

Flacher Start
Flacher Start

Flach, bis auf den Berg


Als ich nach dem Aufwachen aus dem Fenster schaue, sieht es trocken aus draußen. Das macht einen riesen Unterschied, was meinen Spaßfaktor im südlichsten Beinbereich angeht. Meine Trailrunner haben zwar das Etikett Goretex, sind zu meinem Bedauern aber zu großzügig in puncto Durchlässigkeit und winken die auf sie treffende Feuchtigkeit widerstandslos durch die Membran durch.

Ich starre müde auf meine App. Warum, weiß ich auch nicht so genau, aber ich denke mal wieder, die Strecke heute sei flach. Nicht "flunderflach", aber relativ gemütlich. Direkt nach dem Aufstehen ist meine Wahrnehmung wohl noch stärker getrübt, als der Himmel draußen. Das führt dazu, dass ich später jedes mal wieder überrascht bin, wie anstrengend es doch ist, wenn ich dem Jakobsweg plötzlich auf einen recht steilen Berg folge. So auch heute. Die Aussicht von dieser unerwarteten Erhebung ins Tal vor mir ist schön und mein Atem schnell, als ich oben bin.


Blick ins Tal Richtung Colombe und Le Grand Lemps
Blick ins Tal Richtung Colombe und Le Grand Lemps

Nach einer Pause steige ich nach Le Grand Lemps ab, mit 3000 Einwohnern eine schon etwas größere Häuseransammlung auf der Via Gebennensis. Der Ort bietet sich eigentlich an als klassischer Etappenstopp für eine Übernachtung, aber diesmal nicht für mich. Passte nicht in meine Planung.

Ich habe mir nun angewöhnt, so wie es auch in meinem hilfreichen gelben Büchlein empfohlen wird und die französischen Gastgeber es gerne wünschen, am Vortag telefonisch nachzufragen, ob ich am nächsten Tag dort übernachten kann. Heute komme ich wieder privat unter. Es ist nach wie vor ein wenig mühsam ein Quartier, egal, ob ein privates Acceuil jacquaire oder etwas Anderes zu finden, da doch viele Unterkünfte für Pilger, die noch in meinem Büchlein aufgelistet sind, bereits zugemacht haben oder nicht mehr zur Verfügung stehen.


Ein süßer Fund


Unterwegs finde ich im Wald einen schwarz-gelb bemalten Chupa-Chups-Lolli-Stein kann den Impuls daran zu lecken aber unterdrücken. Ich nehme ihn ein paar Kilometer mit, so wie ich es mir ja auch für meine eigenen Pilgersteine wünsche, und lege ihn dann neben einer angehäuften Jakobsmuschel- & Steinsammlung, die wohl ein paar Pilgernde vor mir angelegt haben, wieder ab.



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Vertrauenstest


Auch heute laufe ich wieder den ganzen Tag alleine und ohne Begegnungen. Bis auf die Vierbeinigen hinterm und leider auch vorm Zaun. Plötzlich stehen zwei freilaufende, große Hunde vor mir auf dem Weg und bellen mich drohend an. Rechts ein Hof. Oh man. Ich rufe: Bonjour! Ist da jemand? Und nochmals lauter: Bonjour???

Keine Antwort, keine sichtbare oder denkbare Alternative für mich. Also packe ich meine Wanderstöcke fester und gehe langsam, die Stöcke abwehrbereit vor mir, am äußersten Rand des asphaltierten Weges im größtmöglichen Bogen (der nicht sehr groß ist) um die Hunde herum. Sie lassen mich tatsächlich ohne Zwischenfall passieren. Etwa 100 Meter dahinter treffe ich auf den alten Hofbesitzer, der dort, neben dem Jakobsweg, seelenruhig arbeitet. Ich sage ihm auf französisch, dass seine Hunde mir Angst gemacht haben, aber er lacht nur zahnlos und antwortet: Die tun doch nichts! Und der eine ist doch schon alt!

Das mag ja sein, aber schön ist das trotzdem nicht so angebellt zu werden. Und im Gegensatz zu Herrchen hat der ältere Hund auch noch alle Zähne und besonders mein Po ist weich und bestimmt ein Genuss für ein Hundegebiss jeglichen Alters.



Pausenzeit und die Kirche in La Frette

Deckenfresco in La Frette - mit den Gesichtern der Dorfahnen
Deckenfresco in La Frette - mit den Gesichtern der Dorfahnen

Besonders schöne Kirche in La Frette


Müde, aber zufrieden mit mir komme ich am Nachmittag in La Frette an.

Heute habe ich besonders Glück. Eigentlich ist die Kirche im Ort geschlossen, aber ich bekomme am Abend eine private und sehr interessante Führung, denn meine Gastgeber sind die Hüter des Schlüssels. Sie kümmern sich um die Kirche und erzählen mir auch, dass Frankreich ein massives Problem mit dem Personal Gottes auf Erden hat, besonders auf dem Land. Soll heißen, es herrscht ein Mangel an Priestern, um jeden Sonntag in jeder Gemeinde einer Handvoll Schäfchen eine Messe zu lesen. Deshalb gibt es einen regionalen Plan, wann in welcher Kirche wieder ein Gottesdienst stattfindet. Unter Umständen ist das nur alle 2 - 3 Monate der Fall. Gèrard ist besonders stolz auf die besondere Beleuchtung, die er extra für mich anmacht und das Deckenfresco mit der Krippenszene. Auf diesem Gemälde über dem Altar in der Kuppel (leider etwas dunkel auf dem Foto) haben die biblischen Figuren reelle Gesichter von Menschen aus der Gemeinde bekommen. So hat zum Beispiel Maria das Gesicht seiner eigenen Urgroßmutter. Das nenne ich mal eine innovative und mutige Umsetzung.


Zehnte Übernachtung: Accueil pelerin bei Gèrard & Francoise


Ich habe ein kleines Zimmer unter dem Dach. Auch meine heutigen Gastgeber sind wieder sehr freundlich und um mich bemüht. Sie servieren wie üblich zum Abendessen drei Gänge und als Hauptgang gibt es: Caillette - eine regionale Spezialität. Sieht aus wie ein Fleischklops und besteht aus Schweinefleisch, Schweineleber, Spinat und Gewürzen. Das ganze wird in ein Schweinenetz gewickelt. Dazu gibt es Reis und Mangoldgemüse.

Der Geschmack dieser Spezialität ist sehr besonders. Ich fand es wirklich sehr gut zubereitet, aber mit den Innereien habe ich grundsätzlich so meine Probleme - leider nicht so meins.




Der nächste Etappenstopp heißt für mich: Faramans

Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies weiter im nächsten Beitrag.





Kommentare


Die Frau (unterm) Pilgerhut:

Kopie von 20220422_192619_edited_edited.jpg

Autorin | Pilgerin | Pilgersteinmalerin | Hobbyfotografin |

4 Jakobswege = 1650 km

Buen Camino!

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