Pilgern auf der Via Gebennensis: La Frette - Faramans Etappe 11
- Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra

- vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag
Lies unten, warum Frau Pilgerhut heute weiser wird
Via Gebennensis - Tag 11 - Das große Buch der Kraft und Weisheit

Das Buch als Scheideweg
Zur besseren Orientierung, wo ich mich gerade auf der Via Gebennensis befinde, habe ich mal eine Karte mit rot eingezeichneter Route hochgeladen, die von Ost nach West führt. Faramans, mein heutiges Ziel, ist so klein, dass es nicht erwähnenswert scheint. Es liegt zwischen Revel-Tourdan und La-Cote-St.-André.
Bei Gillonay (wo die gestrichelte Linie beginnt), das ziemlich genau auf der Hälfte zwischen Genf und Le Puy liegt, markiert seit 2007 ein überdimensionales Kunstwerk in Buchform eine Abzweigung der Via Gebennensis, die über St.-Antoine de L'Abbaye nach Arles führt. Die Skulptur soll "das große Reisebuch" darstellen, aus dem der Pilger Kraft und Weisheit schöpft. Verziert mit der stilisierten Jakobsmuschel auf beiden Seiten, weist es in die jeweilige Richtung. Die, die ich nehme, führt den Hang hinauf nach La Côte-Saint-André, weiter nach Bellegarde-Poussieu und Vienne bis nach Le Puy-en-Velay.
Die andere führt hinab in die Ebene nach Brézins, wo sie auf den Weg aus Grenoble trifft, bevor sie nach Saint-Antoine l’Abbaye und schließlich über Saint-Péray nach Arles führt. Wenn man sich für den Weg nach Arles entscheidet, kann man sich passend dazu den "Guide vert" (grünen Reiseführer) der Association Rhone-Alpes des Amis de Saint-Jacques bestellen.
Ich bin mega beeindruckt von dem aufgestellten Riesenbuch. Kraft schöpfen ist immer gut. Sogar an Sitzgelegenheiten für müde Pilger hat man gedacht. Also Pause. Und wer weiß, ich habe es zwar nicht bemerkt, aber vielleicht ist bei der Gelegenheit auch ein wenig Weisheit in mich eingeschossen.

Perfekter Pilgertag
Ich liebe den heutigen Tag. Endlich wieder tolles Wetter, optimale T-Shirt-Temperaturen. Frankreich blüht aus allen Rohren.
Die Vögel zwitschern, die Grillen zirpen, die Bienen brummen und die Hunde hinter den Zäunen bellen mir die Ohren taub. Manchmal erschrecken sie mich zu Tode, wenn ich nichtsahnend und gedankenversunken an einer hohen Hecke vorbeischlendere, die urplötzlich unter vehementen Körpereinsatz lautstark verteidigt wird. Ich hab schon mehrere Male bei meinen Gastgebern nachgefragt, warum es in der Region, also seit Genf, so extrem viele Wachhunde gibt. Ob die Menschen Angst vor Einbrechern haben, hier, wo sich in jedem Dorf Fuchs und Hase gute Nacht sagen? Aber eine gute Erklärung gab' s nicht. Oder ich hab sie nicht richtig verstanden. Die Gegend fühlt sich für mich jedenfalls nicht nach einer erhöhten Kriminalstatistik an. Wenn nur ein Auto nachts durch' s Dorf rollt, ist eh jeder wach.
Jedenfalls tagsüber geht es sich, bis auf die lauten Hunde, sehr idyllisch. Es gibt wahnsinnig viel Natur: Blumenwiesen, Weizenfelder, Kuhweiden, Weinreben, dazwischen ein paar alte Weiler - wenn nicht die Autos vor den alten Häusern stehen würden, könnte man meinen die Zeit wäre stehengeblieben.


Wie auch bei meiner privaten Gastgeberin heute. Sie ist schon etwas betagter, wohnt allein auf dem Hof mit Gemüsegarten, den sie noch selbst bestellt, und süßen Schlappohrkaninchen im Stall. Als Fleischbeilage zum geernteten Gemüse? - Ich traue mich nicht zu fragen. Als Vorspeise gibt es heute eine dampfende Gemüsesuppe, danach gebratenes Fleisch (kein Hase, nicht mal falscher) mit Bratkartoffeln und als Nachtisch einen Vanilleflan.
Die Dame vergisst leider häufig, dass sie mit mir etwas langsamer als Warp1-Französisch sprechen muss. Dazu hat sie noch einen Dialekt, der mir schwerfällt zu verstehen, aber das stört sie zum Glück nicht weiter. Fröhlich schwallert sie mich zu und ich nicke und lächle viel und hoffentlich passend an diesem Abend.
Ich frage trotzdem nach, was es mit dem Holzpferd im Garten des Schlosses von Louis dem XI in La Cote-St. Andre auf sich hat, an dem ich heute vorbeigekommen bin, als ich durch das Städtchen am Berghang lief. Soweit ich die Antwort richtig verstanden habe, gibt es dort jedes Jahr im Sommer ein Festival. Die Skulptur ist eine Attraktion, die von den Einwohnern zu Ehren von Hector Berlioz, nachdem das Festival benannt wurde, gebaut worden ist. Während des Events wird die von ihm komponierte Oper "Les Troyens" - die Trojaner - aufgeführt. Das erklärt dann wohl die Verbindung von der Oper und dem Holzpferd im Schloßgarten.

Elfte Übernachtung: Gite "La Milandière"
Ein Zimmer neben der Garage mit allem, was man benötigt. Toilette und Dusche separat in der Garage installiert. Völlig ausreichend für Pilgerbelange. Das Abendessen - wie immer - im Wohnzimmer der Gastgeberin. Suppe, Hauptgericht, Dessert. Sie selbst isst heute kein Fleisch, hat aber extra für mich ein Stück gekauft und zubereitet.
Der nächste Etappenstopp heißt für mich: Revel-Tourdan, bzw. kurz dahinter
Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies weiter im nächsten Beitrag.
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