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Via Podiensis Etappe 2: Montbonnet - Monistrol D'Allier | Erfahrungsbericht, Tipps & Highlights

Autorenbild: Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
vor 15 Stunden
6 Min. Lesezeit

Montbonnet - Monistrol d'Allier 15 Km


Meine zweite Etappe der Via Podiensis führt von Montbonnet nach Monistrol d'Allier, bietet einen hübschen Panoramablick von der Ruine Rochegude über die Allierschlucht, die zu den wildesten und unberührtesten Flusslandschaften Mitteleuropas zählt, samt rustikalem Abstieg ins Tal.

First Stop: Saint-Privat d'Allier

Nach der doch etwas merkwürdigen Warnung unserer Gastgeberin gestern Abend (die natürlich schon Eindruck bei mir gemacht hat) beschließe ich heute nicht alleine durch die steile Botanik fallen zu wollen und suche Anschluss, weil sowas zu zweit immer mehr Spaß macht. Linda, einer Kanadierin aus der Nähe von Quebec, die ich schon vom Barbesuch gestern Mittag kenne, scheint es ähnlich zu gehen. Wir brechen gemeinsam auf. Nachdem wir ja gestern ordentlich Höhenmeter gemacht haben, beginnt der Tag zum Glück nicht damit, dass wir uns erst einmal mühsam nach oben arbeiten muss. Das ist schon mal sympathisch. Wie auch meine Begleiterin. Zu meinem Bedauern spricht sie nur wenig Englisch und ihr Französisch ist mit starkem québecischen Dialekt gefärbt, der deutliche Unterschiede im Vergleich zum Französischen in Europa aufweist und für mich damit nahezu unverständlich ist. Ähnlich wie gesundes Bayerisch bei einem Nichtmuttersprachler schon mal ordentlich Rauch in den Gehirnwindungen verursachen kann, muss ich auch bei ihr ziemlich häufig nachfragen, was sie mir eigentlich gerade mitteilen möchte. Aber das tut unserer guten Stimmung keinen Abbruch.



Der Weg führt zunächst bei strahlendem Sonnenschein durch eine Landschaft, die durch sattes Grün, Wiesen und Weite auffällt. Waldstücke und offene Flächen wechseln sich ab. Noch fühlt sich die Etappe angenehm an. Dann geht es etwa drei Kilometer durch einen Wald bergab. Das fordert dann schon deutlich mehr Konzentration.



Kurz danach hatte wohl jemand nach dem Hausbau noch ein paar Tonnen rote Dachziegel übrig gehabt, beschlossen sie in kleine Stücke zu zerschlagen und unauffällig auf dem Jakobsweg loszuwerden. Es ist nicht wirklich angenehm darauf zu gehen, aber ich vermute mal, dass das Material als eine Art Drainage aufgeschüttet wurde, um zu verhindern, dass der Weg nach starken Regen zu schnell matschig und rutschig wird und somit der Sicherheit der Pilger dienen soll.

Dann kommt schon Saint-Privat D'Allier in Sicht. Das mittelalterliche Dorf thront spektakulär und fotogen auf einem Basaltfelsen über dem Tal und gehört zu den klassischen Übernachtungsstationen der Via Podiensis, die wir allerdings nur zum Auffüllen unseres Proviants anlaufen.


Saint-Privat d'Allier auf seinem Basaltfelsen hoch über dem Alliertal
Saint-Privat d'Allier auf seinem Basaltfelsen hoch über dem Alliertal

Die Bestie von Gévaudan

Gut sichtbar neben der Hauptstraße ist eine große, nicht unbedingt vertrauenserweckende Holzskulptur eines Riesentieres (?) platziert. Im 18. Jahrhundert gehörte dieses Gebiet zur historischen Grafschaft Gévaudan, in der ein mysteriöses, wolfsähnliches Raubtier sein Unwesen trieb. Es soll weit über 100 Menschen auf grausame Weise getötet haben. Die Identität des Tieres wurde nie zweifelsfrei geklärt, was zu zahlreichen schaurigen Mythen und Legenden führte.

Hölzerner Nachfahre der Bestie von Gévaudan
Hölzerner Nachfahre der Bestie von Gévaudan

Die Festung Rochegude

Der Jakobsweg führt hinter Saint-Privat den nächsten Hügel hinauf, direkt weiter in Richtung Saugues und damit mitten hinein in das einstige Kernwildergebiet der mysteriösen Bestie. Diese lässt sich glücklicherweise nicht blicken, während wir in ihr Territorium eindringen. Vielleicht hat sie heute ja schon gefrühstückt.

Von jetzt an verändert sich die Landschaft noch einmal deutlich und analog steigt auch die Tagestemperatur weiter an. Wir schwitzen gewaltig, als wir den letzten Anstieg zur Festung von Rochegude antreten, bzw. zu dem was davon noch übrig ist: ein markanter Wachturm und etwas links davon die Kapelle Saint-Jacques. Die Anlage wurde im 13. Jahrhundert als strategische Höhenburg von mächtigen lokalen Adelsfamilien erbaut. Sie thront auf einem steilen Felsen mehr als 300 Meter über den spektakulären Schluchten des Allier-Flusses. Von dort aus diente sie als Wachturm, um Grenzen zu sichern und Zölle an den Flussübergängen zu kontrollieren.

Man hat schon einen netten Panoramablick von hier oben aufs Alliertal. Den Fluss Allier, ganz tief unten, sieht man aber noch nicht.

Zu meiner Überraschung sind wir ganz alleine hier. Aber klar, alle, die die 1. Nacht klassisch in Saint-Privat übernachtet haben sind hier heute schon längst durch (oder wurden gefrühstückt).


Überreste der einzigen Burgfestung Rochegude
Überreste der einzigen Burgfestung Rochegude

Mittagspausenzeit. Trinkwasser und Toiletten gibt es zum Glück auch genug. Wir rasten, wobei es schwierig ist ein schattiges Plätzchen zu finden, die Picknicktische stehen leider in der prallen Mittagssonne.


Der Abstieg nach Pratclaux



Der auf den nächsten Kilometern folgende Abstieg in das Flusstal ist zwar berüchtigt, aber trotzdem weniger schlimm als erwartet. Zunächst zweigt hinter dem Weiler unterhalb der Ruine der Weg einfach bergab ab und wird zum Pfad. Wir sind froh, dass es trocken ist, aber so extrem wie Fanny das gestern beschrieben hat, (Orange! Orange!) ist es nicht. In meinen Augen hat sie da etwas übertrieben. Gut, ich kann verstehen, dass es bei Nässe kein Spaß ist, weil es tatsächlich recht steil abwärts geht, aber das Stück Strecke ist gut ausgeschildert und erkennbar, man muss nur über ein paar größere Steinstufen und vor allen Dingen Wurzeln absteigen. Mit Treckingstöcken und ohne Regen ist das aber alles gut machbar.

Hm. Ich weiß, dass die Meinungen über diesen Teil auseinandergehen. Eine jüngere Pilgerin hat mir ein paar Tage später erzählt, dass sie an einer Stelle so unsicher war und warten musste, bis ein anderer Pilger vorbeikam, der ihr die Hände gab und sie sicher über diese Stelle geleitet hat. Ich habe mich gefragt, wo das wohl gewesen sein könnte, konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern.

Wie gesagt, ich fand es völlig ok und das bedeutet: Darüber muss man sich keine Sorgen machen, denn meine Verwandtschaft zur Bergziege ist nur noch rudimentär ausgeprägt. Für eine Karriere im Hochgebirge reicht es jedenfalls nicht mehr.


Monistrol D'Allier in der Allierschlucht


Als wir kurz vor dem Dorf Pratclaux wieder auf eine asphaltierte Straße treffen, freue ich mich und denke, dass wir ja fast schon da sind, leider verrät ein Blick auf das Etappenprofil jedoch, dass es noch ein Stückchen weiter bergab geht. Die Markierung des Jakobsweges lässt uns die Serpentinen der Asphaltstraße hinunterlaufen. Die Abkürzungen, von denen ich irgendwo gelesen hatte, sind eindeutig gesperrt und zugewuchert. Es sieht für mich so aus, als hätte man sie schon länger aus dem offiziellen "Jakobswegprofil" genommen.

Linda und ich sind beide nicht für derartige Experimente zu haben und so folgen wir der nicht befahrenen Straße bis wir Monistrol erreichen, dessen Ortskern auch noch weit oberhalb des Flusses Allier liegt, der hier einen schönen natürlichen Sandstrand haben soll.


Ein verdienter Abstecher

Unsere Herberge "AuRicochet" öffnet um 16.00 Uhr, bis dahin haben wir noch gute zwei Stündchen Zeit. Wir beschließen, wie viele Franzosen, für die der Strand von Monistrol im Sommer ein beliebter Treffpunkt ist, die Wartezeit am Wasser zu nutzen. Das bedeutet einen weiteren steilen Abstieg (und anschließenden Aufstieg!), aber man gönnt sich ja sonst nichts. Linda hat sogar ihren Badeanzug dabei und geht eine Runde schwimmen, während ich nur meine Füße reinhänge. Das Wasser ist erfrischend nach der Strapaze des Tages und der sandige Untergrund fällt flach ab.


Sandstrand am Fluss Allier in Monistrol d'Allier
Sandstrand am Fluss Allier in Monistrol d'Allier

Im Wasser plantschen Kinder, während Mutige von den Felsen der gegenüberliegenden Uferseite in tiefere Flussabschnitte springen. Ein paar Rafting-Boote driften vorbei. Urlaubsfeeling macht sich bei mir breit. Aber nur kurz. Als wir den Aufstieg zurück zur Herberge antreten, ist es bereits wieder verflogen.


2. Übernachtung: Pilgerunterkunft Au Ricochet in Monistrol D'Allier



Fazit zur zweiten Etappe:


Richtige Entscheidung auch an Tag 2 nur eine kurze Etappe zu gehen. Die Strecke von Montbonnet nach Monistrol-d’Allier mit 15 Kilometern hat es nämlich in sich. Vor allem der Abstieg über Rochegude hinunter nach Monistrol fordert Konzentration und etwas Trittsicherheit. Dafür wird man mit einer Landschaft belohnt, die zu den eindrucksvolleren Abschnitten am Beginn der Via Podiensis gehört und wer gutes Wetter hat, nimmt noch einen "Strandnachmittag" am Allier mit.


Etappe 2 auf einen Blick

Start: Montbonnet

Ziel: Monistrol-d’Allier

Entfernung: ca. 14–16 km

Höhenprofil: zunächst über die Hochebene, anschließend deutlicher Abstieg in die Allierschlucht

Highlights: Kapelle bei Rochegude mit Blick über das Alliertal, Flussstrand bei Monistrol

Der nächste Etappenstopp heißt für mich: La Clauze

Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies weiter im nächsten Beitrag.

Alle Kommot-Tracks unter meinen Beiträgen habe ich selbst mit meiner Garmin Fenix Uhr aufgenommen. Es handelt sich um Bruttozeiten vom Start bis manchmal weit nach der Ankunft, inklusive sämtlicher Pausen, Trödeleien und Vergesslichkeiten. Sie sind nicht als Richtwerte für Gehzeiten zu verstehen.




← Tag 1:
Tag 1:

Le Puy – Montbonnet

Mein Start auf der Via Podiensis

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Tag 3:

Monistrol – La Clauze

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Mein Via-Podiensis-Check

Du möchtest wissen, ob die Via Podiensis zu dir passen könnte?


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Die Frau (unterm) Pilgerhut:

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Autorin | Pilgerin | Pilgersteinmalerin | Hobbyfotografin |

4 Jakobswege = 1650 km

Buen Camino!

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