Pilgern auf der Via Gebennensis: Etappe 17 Les Setoux - Montfalcon-en-Velay
- Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra

- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Lies unten, warum nicht immer aller guten Dinge drei sind
Via Gebennensis - Tag 17 - 16 Km nach Montfalcon-en-Velay

Die Geschichte vom Spinnenkäse
Es ist ziemlich frisch, nur 7 Grad, als ich morgens mit Sylvie und Jean-Noël in Les Setoux aufbreche, bergab Richtung des Weilers L'Hermet, aber mit etwas Bewegung wird es schnell wärmer. Das französische Paar zeigt mir die vom Wind gegerbten Pinien der Auvergne, die ab und zu unseren Weg säumen. Außerdem sprechen wir über regionalen französischen Käse, der hier hergestellt wird. Etwas besonderes ist der "Frommage D'artisous", ein (wie man vom Namen ableiten kann) handwerklich hergestellter Kuhmilch- Käse, der in der Haute-Loire sehr beliebt, im übrigen Frankreich aber kaum bekannt ist. Für seinen besonderen Geschmack sollen klitzekleine Spinnentiere mit ihrem Speichel und Ausscheidungen beteiligt sein, die ihren Lebensmittelpunkt in der Rinde des Käses haben. Und die man, wenn man ganz genau hinschaut, sogar sehen und auch mitessen kann - wenn man dazu bereit ist. Ob man das tun soll? Darüber streiten sich die französischen Geister. Auch Michel hatte mir gestern bereits von diesem Käse erzählt und die Auffassung vertreten, dass man die Rinde abschneidet und auf die lebenden "Miniarachnos" im eigenen Magen verzichten sollte. Für mich klingt das irgendwie spannend. Spinnenkäse. Ich bin mehr als bereit ihn mir bei Gelegenheit mal anzuschauen.

Unterwegs mit Sylvie & Jean-Noël nach Montfalcon
Alle gesperrten Wege sind drei
Auch heute geht es wieder abwechselnd bergab und bergauf. Nach ungefähr zwei Stunden, trennen wir uns, die beiden Franzosen wollen eine längere Pause machen, ich ein wenig alleine sein. Ich bin mir sicher sie am Ende des Tages in Montfalcon wieder zu sehen.
Die Gebennensis führt heute durch Nadelwälder und über grasbewachsene Feldwege. Der Wald duftet, die Vögel zwitschern, die Luft ist klar und rein. Das fühlt sich gut und frei an. Ungefähr nach 10 Kilometern, im Tal vor dem letzten Anstieg nach Montfalcon, passiere ich einen kleinen Bach auf einer etwas ramponierten Holzbrücke. Der Bach hat sich hinter der Brücke entschieden, abseits seines ursprünglichen Bettes, die Wiese zu überschwemmen und bis zum Jakobsweg einen See zu bilden, um den ich nun herumbalancieren muss, ohne nasse Füße zu kriegen. Nicht so tragisch, denke ich noch.

Und dann sehe ich es. Halb abgerissen im seichten Wind an einem Ast baumeln. Ein Schild: "Route fermé". Gesperrt. Nicht schon wieder.
Nach der gesperrten Brücke gleich hinter Genf und dem gesperrten Stück, als der Jakobsweg in die Loire gebröckelt war, ist es nun bereits das dritte Mal, dass ein Schild mir erklärt, dass der Weg geschlossen ist. Zum dritten Mal erwähnt das Schild jedoch nicht, was denn die Umleitungsempfehlung für Pilger ist. Was soll man da machen? Ein bisschen mulmig ist mir jedes Mal, aber ich entscheide mich das Verbot zum dritten Mal zu ignorieren und gehe weiter.
Als ich mich recht steil den Anstieg durch den Wald hochkämpfe, wird mir auch klar, warum das Schild unten gestanden hat: Was vorher mal der Jakobsweg war, ist jetzt ein etwa ein Meter tiefer und 80 Zentimeter breiter ausgewaschener Graben dem man nur auf einer schmalen Außenkante ausweichen kann. Hier ist viel Wasser mit zerstörerischer Kraft den Berg runtergerauscht und hat ein bisschen Erde, Steine und Holz mitgenommen. Der Graben ist trocken, also muss das Unwetter, das dies ausgelöst hat, schon eine Weile her sein, nur ausgebessert worden ist halt noch nichts.
Ich habe irgendwo gelesen, dass man die Via auch mit dem Mountainbike fahren könnte. Nun ja, da mag ich nicht gänzlich widersprechen, ich bin kein Biker, aber ich würde behaupten, dass ist an einigen Stellen nur was für ausgewachsene Radprofis mit viel Balance und noch größerer Risikobereitschaft.
Hier Mountainbike fahren? Mit Gepäck? Unmöglich. Maximal noch nach dem Motto: Wer sein Leben liebt, der schiebt. Oder trägt sein Rad. Fotos habe ich leider versäumt zu machen.

Weltmeister im hochstapeln
Als ich den Anstieg erklommen habe, komme ich wieder auf einen breiten Forstweg und an zwei riesigen Stapeln Holz vorbei. Ich gratuliere den Franzosen zu dieser Technik. Noch nie in meinem Leben habe ich so hoch und so akkurat aufeinander gestapelte Baumstämme gesehen. Gäbe es eine Weltmeisterschaft, würden diese französischen Stapelkünstler hier sicher gewonnen. Mindestens fünf Meter hoch liegen die Stämme an der Seite des Weges gestapelt. Da können sich die Bayern noch ein bis zwei Holzscheibchen von abschneiden. Wie sicher das System ist? Keinen Schimmer ...
Montfalcon-en-Velay
Am frühen Nachmittag komme ich in Montfalcon-en-Velay an und setze mich in das erste Café, das ich finde. Die Infrastruktur wird merklich besser, je näher man an Le Puy kommt. Kaum eine Viertelstunde später gesellen sich Sylvie und Jean-Noël zu mir, wir trinken was zusammen und sie erklären mir, dass sie das Schild auch ignoriert haben. Später verabschieden wir uns, denn wir schlafen heute in unterschiedlichen Unterkünften.
Ich habe mir heute tatsächlich ein Hotelzimmer gegönnt, samt Abendessen im angeschlossenen Restaurant. Es ist das erste Mal, dass ich seit Genf überhaupt Englisch höre, als ich dort zum Essen alleine am Tisch sitze. Hinter mir versuchen vier ahnungslose, aber selbstbewusste Amerikaner ohne französische Sprachkenntnisse, auf Englisch ihr Essen zu bestellen. Das hat den höflichen Kellner ebenfalls dazu verführt sich ahnungslos zu geben und kein Wort Englisch zu verstehen. Es hat eine gewisse Situationskomik, wenn man beide Sprachen versteht. Mich hat das ziemlich amüsiert.
Die Franzosen sind mir mittlerweile ganz schön ans Herz gewachsen. Und Holzhochstapeln können sie auch gut!
Am Nachbartisch sitzt Jean-Marie aus der Schweiz. Allein. Er ist heilfroh nach drei Tagen ohne Pilgerbegegnung in mir eine Pilgerin zu erkennen. Wir rücken zusammen. Schnell erzählt er mir aus seinem Leben. Jean-Marie ist ein sehr erfahrener Pilger, der 2001 das erste Mal unterwegs war nach Santiago und während dieser Zeit die Frau kennengelernt hat, mit der er nun sei 24 Jahren zusammenlebt. Der Camino schreibt so schöne Geschichten!
17. Übernachtung: Hotel Les Platanes
Nicht ganz zentral im Ort gelegen und etwas abseits des Weges. Mit Jakobsmuschelzeichen im Eingang und angeschlossenem Restaurant. Zimmer modern und sauber für 65 Euro. Sehr gutes, leckeres Drei-Gänge-Abendessen für 25 Euro. Da kann man nicht meckern.
Der nächste Etappenstopp heißt für mich: Les Jeures
Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies die Fortsetzung im nächsten Beitrag.
.png)


















































Kommentare