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Allein als Frau auf dem Jakobsweg – meine Erfahrungen und Tipps

  • Autorenbild: Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
    Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
  • vor 14 Stunden
  • 12 Min. Lesezeit


Allein auf dem Jakobsweg als Frau – muss man davor Angst haben?


„Du willst wirklich alleine sechs Wochen durch Spanien gehen?“

Diese Frage habe ich vor meinem ersten Camino ziemlich oft gehört.

Und meistens folgte darauf ein Blick, der irgendwo zwischen Bewunderung, Entsetzen und der unausgesprochenen Frage lag, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe.

800 Kilometer. Allein. Durch Spanien. Als Frau. Mit 50.

Muss das wirklich sein? Ich fand den Gedanken selbst ziemlich groß. Und gleichzeitig war da dieses Gefühl: Ich will das unbedingt machen.

Denkst du auch darüber nach allein als Frau pilgern zu gehen, hast aber den Kopf noch voller Fragezeichen? Dann ermutige ich dich weiterzulesen!


Warum bin ich alleine losgezogen?


Ich wollte gerne länger Zeit haben, um über viele Dinge nachzudenken. Innerlich zur Ruhe kommen. Entscheidungen treffen. Vielleicht etwas wiederentdecken in mir, was nach langen, stressigen Bürojobjahren verschüttet war. Und zu mir selbst zurückkehren - ja, das geht am besten allein.

Vielleicht habe ich zudem noch einen minimalen Gendefekt: Ich war mir schon immer genug, dazu gerne unabhängig, frei und selbstbestimmt unterwegs und habe mich eher selten von meinem Geschlecht abhalten lassen, Dinge zu tun, die gemeinhin als etwas risikoreicher gelten. Besonders zu Beginn meiner Zwanziger habe ich ein paar ziemlich schräge Sachen allein gemacht – lange bevor es Handys, Tracking-Apps und die beruhigende Gewissheit gab, dass im Notfall irgendjemand wusste, wo ich gerade herumturnte. Rückblickend würde ich einiges davon als durchaus leichtsinnig bezeichnen. Damals nannte ich es Abenteuerlust. Ich hatte einfach noch nicht genug Lebenserfahrung, um zu erkennen, dass man bestimmte Dinge besser nicht allein macht. Was wahrscheinlich auch eine Form von Selbstvertrauen ist. Eine etwas fragwürdige, aber immerhin. Egal. Das ist ewig her. Und mittlerweile ist tatsächlich auch bei mir Vorsicht die Mutter aller (inzwischen schon leicht angestaubten) Porzellankisten geworden, die zudem gerne Zwiegespräche mit mir führt.

Also, muss das wirklich jetzt wieder sein?“, fragt Vorsicht deshalb schon leicht genervt, als sie mein Vorhaben wahrnimmt. Ich hole tief Luft und antworte vorsichtig: „Unbedingt. Ist schließlich nicht die Wüste Ténéré, die ich durchqueren will. Der Jakobsweg in Spanien gilt statistisch gesehen als eine der sichersten Routen weltweit für allein reisende Frauen.“

Sodann Nägel mit Köpfen gemacht, den Rucksack gepackt, zwei Kilo bemalte Pilgersteine hineingestopft, als wäre das die selbstverständlichste Reiseausrüstung der Welt, den Hut aufgesetzt – und los ging’s.

Na ja. Das ist die Kurzfassung. Die klingt natürlich deutlich souveräner, als es sich angefühlt hat. Als ich schließlich in Saint-Jean-Pied-de-Port, meinem Startort, ankam, hatte ich jedenfalls ziemlich schwitzige Hände und einen mittleren Herzalarm. Vorsicht war also doch noch nicht vollständig überzeugt.


Begegnungen: Allein losgehen heißt nicht, allein zu sein


Erster Bonding-Abend in Orrison
Erster Bonding-Abend in Orrison

Vorweggenommen: Einmal unterwegs ließ Vorsicht sich dann ziemlich schnell überzeugen. Zu meiner großen Überraschung war ich von Tag 1 an erstaunlich selten allein. Ganz im Gegenteil. Es gab potentielle Gesellschaft im Überfluss. Auf dem Camino Francés wäre ich tatsächlich, aus den zu Beginn des letzten Abschnitts genannten Gründen, gerne öfter allein gewesen.

Die wahrscheinlich wichtigste Erfahrung, die ich von dort mitgenommen habe, ist, dass es auf dem Camino Francés (und nicht nur dort) deine ureigenste Entscheidung ist, ob du allein sein willst oder pilgern in Gesellschaft bevorzugst. Nichts ist leichter als Zweiteres. Wenn es irgendwo auf der Welt eine zwang- und unkonventionelle Kontaktbörse gibt, die total easy funktioniert, ist es die auf dem Francés. Kaum ein freundliches "Hola!" in ein fremdes Pilgergesicht gegrölt und dich vorgestellt, schon bist du für den Rest des Weges adoptiert von deiner neuen, internationalen und großen Mehrgenerationen-Camino-Family.

Die selbstverständlich auch akzeptiert, dass du hin und wieder das Bedürfnis hast allein zu pilgern. Das sieht dann möglicherweise so aus:

Du brichst morgens für dich auf, während im Ort noch alles schläft. Du verlässt das Dorf, läufst eine Weile über die stillen Felder, hörst nur deine eigenen Schritte. Kein Mensch weit und breit. Du holst tief Luft, genießt das simple Dasein und bewunderst einen der unglaublichsten Sonnenaufgänge, den du je gesehen hast.

Dann gehst du erfüllt weiter. Bis schließlich irgendwo vor dir wieder ein Rucksack auftaucht. Du holst auf.

„Buen Camino!“

"Buen Camino! How are you today?" Ein offenes Lächeln.

Man läuft ein Stück zusammen mit diesem bis eben noch fremden Pilger vom anderen Ende Europas oder der Welt. Lacht. Manchmal weint man auch zusammen. Spricht nach 10 Minuten wie selbstverständlich über Dinge, die man zuhause seinen besten Freunden bis heute nicht erzählt hat. Das ist Camino pur!

Man muss also nicht vorher eine stabile Reisegruppe zusammenstellen. Der Weg übernimmt das Networking. Und zwar ziemlich zuverlässig.


Welche Ängste hatte ich vorher?


Ich glaube, es wäre ziemlich merkwürdig gewesen, wenn ich vor 800 Kilometern alleine durch Spanien überhaupt keinen Respekt gehabt hätte. Vorsicht hatte sich ja schon zeitig gemeldet und mir so einige Fragen gestellt:

Was passiert, wenn ich mich verlaufe?

Was mache ich, wenn ich plötzlich krank werde und nicht weiter kann?

Wie verhalte ich mich, wenn mich jemand belästigt?

Wen rufe ich an in einer wirklich miesen Situation vor Ort?

Was, wenn der Handy-Akku zur falschen Zeit leer ist?

Und was mache ich eigentlich, wenn ich abends allein beim Abendessen sitze, mich dabei fremd und idiotisch fühle, während alle um mich herum Spaß haben, ich aber niemanden verstehe?


Die meisten dieser Gedanken lösten sich allerdings erstaunlich schnell auf, sobald ich tatsächlich unterwegs war. Das ist mir bereits mehrfach aufgefallen, dass das Losgehen selbst den Fokus auf die Situation einfach verändert. Um Mal ein paar schwerwiegende Sorgen direkt zu killen: Verlaufen kann man sich sowieso nicht auf dem Francés, selbst wenn man es wollte. Gelbe Pfeile sind überall. Spanien hat ein ziemlich gut ausgebautes Netz an Apotheken (sogar manchmal Automaten mit Pharmaziebedarf direkt am Weg aufgestellt) & Ärzten, die auf Pilgerbeschwerden vorbereitet sind. Die Verständigung mit Gastgebern und Pilgern funktioniert generell zu 80 Prozent auf Englisch, die übrigen 20 Prozent verstehen Hände & blasengeplagte Füße oder Google Translater. Selbst wenn du kein Fremdsprachengenie bist - du kommst gut zurecht. Und zeichnest dich auch nicht durch fehlende Sprachkenntnisse als Exot aus.

Fakt ist: Ist man endlich losgegangen, beschäftigt man sich mit ganz anderen Dingen, die für den Moment wichtig sind: Wo kann ich das nächste Mal mein Wasser wieder auffüllen? Wie weit ist es noch bis zur nächsten Herberge? Warum tut jetzt auch noch mein linker Fuß weh, obwohl doch seit gestern schon das rechte Knie mault? Kann ich trotz des angesagten Unwetters weitergehen? Und: Wer hat eigentlich beschlossen, dass dieser Mistberg auf der Karte so harmlos aussieht?


Und dann ist da noch der Camino selbst ...



...der dafür sorgt, dass eine Lösung für dein aktuelles Problem gefunden wird. Der Jakobsweg ist nicht einfach nur eine nette, aber lange Strecke von A nach B, die man abläuft, um irgendwann in Santiago anzukommen.

Er ist und kann wesentlich mehr. Vor allem bringt er ähnlich tickende Menschen zusammen, wie ich ja schon erwähnt hatte. Egal wo sie herkommen oder welche Sprache sie sprechen. Deshalb begegnet man Leuten und Geschichten, die man sonst wahrscheinlich niemals kennengelernt, bzw. gehört hätte. Manche davon bleiben nur für einen Kaffee in deinem Dunstkreis. Manche für eine oder mehrere Etappen. Manche begleiten dich noch lange, nachdem du wieder zuhause bist. Und alle Begegnungen haben gemeinsam, dass sie unglaublich bereichernd sind.

Die große Mehrheit dieser Pilgernden vereint, dass sie sehr gut aufeinander acht geben. Und ihre Hilfsbereitschaft ist mittlerweile beinahe legendär. Gerade bei den etwas reiferen Semestern, denen die Anstrengung des Tages ins Gesicht geschrieben steht, wird sich gern noch einmal rückversichert, ob auch wirklich alles in Ordnung ist.

Und dann gibt es da noch bestimmte Situationen in denen Menschen plötzlich aus dem Nichts auftauchen, und zwar genau dann, wenn man sie am Nötigsten braucht. Auf und direkt an den Caminos dieser Welt häuft sich dieses unerklärliche Phänomen. Zum Beispiel der einheimische Taxifahrer, der ungefragt anhält und dich kostenlos zur nächsten Herberge bringt, weil er offensichtlich schneller als du erkannt hat, dass du gerade ein mittelschweres Problem hast. Oder die Pilgerin hinter dir, die sich zufällig als Krankenschwester entpuppt und deine frische Schürfwunde professionell versorgt. Oder der junge Spanier, der vorher nicht da war und plötzlich deinen 8 Kilo Rucksack die letzten zwei Kilometer zur nächsten Herberge mitschleppt, weil du nur noch humpeln kannst. Es gibt sogar einen Begriff dafür in Jakobswegkreisen: Camino-Engel.

Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen kitschig, aber wer schon einmal in Spanien gepilgert ist, weiß genau, was ich meine.

Jedenfalls hat der Camino manchmal ein erstaunlich gutes Timing und zwar ausgerechnet dann, wenn man es am dringendsten braucht.


Was mir außerdem noch geholfen hat



Natürlich habe ich mich vorher ausgiebig mit der Strecke beschäftigt. Ich wollte gut vorbereitet sein. Aber für mich war eine der großen Lektionen meines ersten langen Caminos: Ich muss nicht alles vorher wissen und planen.

Ich muss am ersten Tag noch nicht wissen, wie ich 800 Kilometer schaffen soll und was da alles auf mich zukommen könnte. Ich muss nur wissen, wie ich bis zum nächsten Etappenziel komme. Der Rest ergibt sich. Das ist eigentlich krass einfach, aber manchmal trotzdem schwer zu beherzigen. Je länger ich unterwegs bin, desto leichter fällt mir dieses Vertrauen.



Habe ich negative Erfahrungen gemacht?


Nein. Ich bin kein einziges Mal belästigt worden oder habe mich verunsichert gefühlt. Weder von ungehobelten Menschen jeglicher Art, noch von wildgewordenen Hunden, Hühnern oder tollwütigen Hasen.

Ich fand das Thema "Solo-Pilgern in Spanien" für mich so unproblematisch, dass ich es in den folgenden Jahren auch durch Frankreich wiederholt habe, ohne auch nur einen einzelnen sorgenvollen Gedanken daran zu verschwenden.

Das Pilgern in Frankreich hat mein in Spanien gewonnenes Sicherheitsgefühl sogar noch toppen können. Ich habe diesem französischen "Chemin" absolut vertraut und fühlte mich zum ersten Mal sogar universell beschützt. Ob das Quatsch ist oder nicht, weiß ich nicht, ich würde es für mich persönlich als eine Änderung der Einstellung bezeichnen. Ich denke, dazu hat die Aussegnungsmesse in Le Puy sicher ihren Teil dazu beigetragen. Ich habe dort um einen guten Weg gebeten - und den habe ich bekommen.

In Frankreich pilgern außerdem erstaunlich viele französische Frauen allein. Vergleichsweise wesentlich mehr als spanische Frauen in Spanien. Ich habe mich mit einigen Französinnen unterhalten. "Das ist doch der Chemin! Der ist absolut sicher!" Keine von ihnen war in Sorge, dass ihr etwas passieren könnte. Das mag auch daran liegen, dass auf den französischen Caminos der Frauenanteil unter den Pilgern deutlich höher ist als der der Männer.

Ich habe mich daraufhin zum ersten Mal bewusst gefragt: Ist es vielleicht auch Teil einer deutschen Mentalität, dass wir uns umsonst zu viele Sorgen machen um Dinge, die eventuell eintreten könnten und dann doch nicht passieren? Oder ist es am Ende nur eine ganz persönliche Einstellungssache? Muss man vielleicht die große Fragestellung vorab nur ändern in: Ist das, was ich machen will wirklich gefährlich – oder ist es einfach nur neu für mich?

Das sind zwei ziemlich unterschiedliche Dinge. Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen: Es ist einfach nur neu und deshalb aufregend, aber nicht gefährlicher als mein Alltag zuhause.

Ich weiß, dass nicht alle Frauen es genau so entspannt sehen wie ich und einige ein größeres Sicherheitsbedürfnis haben, vielleicht auch, weil sie in der Vergangenheit bereits negative Erfahrungen gemacht haben. Wobei diese Art der Belästigung oder Übergriffigkeit sicherlich nicht auf einem Jakobsweg stattfand, sondern paradoxerweise sehr wahrscheinlich in einer ganz normalen Alltagssituation im beruflichen oder persönlichem Umfeld.


Sicherheit: Was kannst du konkret tun, um dich noch sicherer zu fühlen?


Du bist auf dem Camino zwar allein unterwegs – aber nicht schutzlos. Ernsthafte kriminelle Zwischenfälle sind extrem selten, da die Pilgergemeinschaft, wie schon beschrieben, stark aufeinander achtet, aber es passen noch mehr Menschen in Spanien auf dich auf. Und es helfen dir sicherlich auch die folgenden praktischen Strategien dabei, dich auf dem Weg wohl und sicher zu fühlen:


Offizielles Plakat der Guardia Civil für Jakobswegpilger
Offizielles Plakat der Guardia Civil für Jakobswegpilger

1. Digitale Sicherheit mit Handy nutzen


  • Die offizielle App „AlertCops“ laden: Es ist die offizielle Sicherheits-App des spanischen Innenministeriums. Die App verfügt über einen SOS-Knopf, der im Notfall den genauen GPS-Standort direkt an die nächste Polizeidienststelle übermittelt.  Damit kann die Guardia Civil beispielsweise die letzten übermittelten Positionen sehen, wenn jemand verloren geht oder nicht mehr kommunizieren kann. Die Kommunikation funktioniert auch auf Deutsch oder Englisch.


  • Privater Notfallkontakt und Standortfreigabe: Teile deinen Live-Standort über eine entsprechende Funktion deines Smartphones (z. B. über WhatsApp oder Signal) dauerhaft mit einer Vertrauensperson in der Heimat. Schicke morgens kurz eine Nachricht, wo du startest und wo du abends ankommen willst.  


    Beim iPhone lässt sich „Notruf SOS“ so konfigurieren, dass du im Notfall schnell Hilfe rufen und Notfallkontakte informieren kannst.

    Das würde ich tatsächlich vor der Reise einmal ausprobieren, bzw. die Einstellungen überprüfen. Sicherheitsfunktionen sind erstaunlich viel hilfreicher, wenn man weiß, wie sie funktionieren, bevor man sie braucht.


  • Notruf: Die universelle Notrufnummer in Spanien ist die 112. Sie funktioniert auch ohne spanische SIM-Karte und selbst bei schlechtem Netz. Die Guardia Civil erreicht man mit 062.


2. Verhalten auf dem Jakobsweg


  • Keine Stirnlampen-Märsche im Dunkeln: Viele Pilger starten sehr früh, um der Hitze zu entgehen. Aber wenn du dich dabei allein unwohl fühlst, laufe erst bei Tageslicht los oder such dir Gesellschaft. Im Dunkeln ist zum einen die Sturzgefahr höher und man sieht natürlich nicht, wer sich einem nähert. 

  • Verzicht auf Kopfhörer: Höre auf einsamen Abschnitten oder im Wald keine Musik über Kopfhörer. Es ist wichtig, die Umgebung (Schritte, Fahrräder, Tiere) jederzeit ungehindert zu hören. Außerdem ist das Vogelgezwitscher sowieso viel schöner.

  • Die richtige Routenwahl: Wähle für den ersten Camino eine hochfrequentierte Route, wo du praktisch nie länger als ein paar Minuten komplett isoliert läufst.

  • Handy immer erreichbar und nicht bei 3 % Akku

    Eine Powerbank würde ich tatsächlich als sinnvolle Ergänzung sehen. Denn ein Handy nützt dir wenig, wenn es gerade beschließt, in den Energiesparmodus des Jenseits zu wechseln.


3. Legale Schutzmittel


  • Sicherheits-Schrillalarm (Taschenalarm): Ein kleiner Anhänger am Rucksack, der beim Ziehen eines Stifts einen extrem lauten, gellenden Ton (ca. 120–130 dB) abgibt. Das vertreibt Angreifer oder streunende Hunde zuverlässig und alarmiert andere Pilger in der Nähe.


  • Trillerpfeife am Brustgurt: Klein, leicht und im Ernstfall eine sehr einfache Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.

    Wichtig ist allerdings der Platz: Die Pfeife sollte dort befestigt sein, wo du sie mit einer Hand erreichen kannst – zum Beispiel direkt am Brustgurt. Im Rucksack hilft sie dir im Notfall ungefähr so viel wie ein Regenschirm, der zuhause liegt.


  • Wanderstöcke: Teleskop-Wanderstöcke sind auf dem Camino ohnehin nützlich. Sie dienen im absoluten Notfall auch als hervorragendes, langes Distanzierungswerkzeug gegen aggressive Tiere oder zudringliche Personen.


  • Apple Air Tag im Rucksack: Der Air Tag ist zwar kein Personentracker,

    sondern hilfreich um Gegenstände zu finden, also kein Lebensretter, aber möglicherweise ein ziemlich nützlicher kleiner Helfer, wenn der Rucksack plötzlich beschlossen hat, ohne dich weiterzureisen und du beispielsweise auf die Medikamente darin angewiesen bist.


4. Gemeinschaft und Behörden


  • Die „Camino-Familie“: Wenn dir eine Situation oder eine Person auf dem Weg komisch vorkommt, schließ dich einfach anderen Pilgern an. Sag offen: „Hallo, kann ich ein Stück mit euch laufen? Die Person da hinten ist mir unheimlich.“ 

  • Die spanische Polizei Guardia Civil:

    Die Camino Polizei ist in Spanien auf dem Hauptweg präsent! Die spanischen Sicherheitsbehörden behandeln den Camino tatsächlich als besonderes Einsatzgebiet. Die Guardia Civil hat einen eigenen Sicherheitsplan und spezielle Maßnahmen für die Pilger. Dazu gehören unter anderem mobile Pilgerbüros, spezielle Überwachung, die App AlertCops und bei Bedarf auch Einheiten wie Reiterstaffeln oder Bergrettung.

    Der Jakobsweg ist für Spanien ein bedeutendes touristisches, kulturelles und wirtschaftliches Aushängeschild. Entsprechend groß ist das Interesse, dass Menschen den Camino als sicher und gut organisiert erleben.

Die Camino Polizei

5. Pfefferspray??? - Ein kleines Spray mit großen Fragezeichen


Ich persönlich habe den Pfeffer lieber im Essen, als im Auge und noch nie das Bedürfnis gespürt eine Sprühdose dabei haben zu müssen, aber ich kenne schon Pilgerinnen, die eine in der Bauchtasche tragen. Dazu sollte man folgendes wissen:


  • In Deutschland  der Kauf und Besitz von Pfefferspray frei erlaubt ist, wenn es offiziell als „Tierabwehrspray“ gekennzeichnet ist. Man braucht dafür keinen Waffenschein. Das Mitführen in der Öffentlichkeit ist gestattet (außer auf Versammlungen und in öffentlichen Gebäuden), der Einsatz gegen die Abwehr von Tieren ist erlaubt; gegen Menschen jedoch strikt auf echte Notwehrsituationen beschränkt. Ins Flugzeug darf es unter keinen Umständen mit.

    Auch wenn du anders mit Pfefferspray ins Ausland reisen möchtest (zu Fuß, Fahrrad oder mit Auto, Bahn), solltest du dein deutsches Spray am besten zu Hause in die Ecke pfeffern. Die Rechtslage unterscheidet sich grundlegend von Deutschland:

  • In Spanien ist Pfefferspray ab 18 Jahren zwar grundsätzlich legal, aber nur unter extrem strengen Auflagen. Es dürfen ausschließlich Modelle besessen und mitgeführt werden, die vom spanischen Gesundheitsministerium offiziell zugelassen sind und da deutsche Tierabwehrsprays diese spanische Zulassung nicht aufgedruckt haben, gelten sie in Spanien als verbotene Waffe. Bei einer Polizeikontrolle drohen deshalb Geldstrafen oder sogar Strafverfahren. 

    Wenn du in Spanien ein Spray zur Selbstverteidigung kaufen möchtest, musst du dieses in einer offiziellen, spanischen Waffenhandlung (=Armería) kaufen, um ein zugelassenes Modell zu erhalten. 

  • In Frankreich ist es noch extremer: Abwehrsprays gelten als Waffe der Kategorie D. Der Besitz ist zwar erlaubt, aber das Mitführen (in der Tasche, Rucksack, Auto) verboten. Wenn man von der Polizei kontrolliert wird, reicht die Aussage: "Ich möchte mich nur schützen" nicht aus, um straffrei zu bleiben.

 

Zusammengefasst: Deutsches Pfefferspray ist in Spanien illegal, du müsstest dir vor Ort ein spanisches besorgen, wenn das für dich zwingend erforderlich sein sollte.


Mein Fazit


Ich würde jederzeit wieder als Frau alleine pilgern gehen. Mir fällt auch nichts ein, was ich anders machen würde. Das heißt allerdings nicht, dass ich unterwegs völlig sorglos durch die Gegend laufe oder jede Situation für eine gute Idee halte. Ein bisschen Aufmerksamkeit schadet nicht – und gerade nachts gibt es Situationen, die ich lieber vermeide, gleichzeitig kann ich darauf vertrauen, dass ich mich auf einem Weg bewege, auf dem Sicherheit tatsächlich ein Thema ist, um das sich die spanischen Behörden kümmern. Die offizielle Guardia Civil nennt ausdrücklich das Ziel, Pilgern Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln.

Ich würde mich deshalb von möglichen Gefahren nicht abhalten lassen, loszugehen. Denn ein gewisses Lebensrisiko lässt sich ohnehin nur schwer komplett aus dem Weg räumen. Du kannst auf dem Jakobsweg auf dich achten, dich vernünftig verhalten und trotzdem kann das Leben beschließen, dir einen kleinen Strich durch die Rechnung zu machen.


Und wenn dich jetzt während des Lesens ein bisschen Mut angefallen hat, möchte ich dir noch schnell mitgeben, bevor Vorsicht wieder übernimmt: Mach dir keine Sorgen, hör immer auf dein Bauchgefühl. Und dann trau dich. Du bist zwar allein unterwegs, aber nicht schutzlos. Buen Camino!


Und wenn du nach 800 Kilometern feststellst, dass du tatsächlich alleine durch Spanien gelaufen bist, dann darfst du dir ruhig einmal (oder mehrfach) selbst auf die Schulter klopfen. Und dir dann einen Kaffee , in meinem Falle einen Tee, spendieren.

Denn den hast du dir dann verdient.


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Jakobsweg Vorbereitung


Meine persönlichen Tipps für die Planung

Meine Ausrüstung



Was ich tatsächlich mitgenommen habe

Camino Francés



Mein Weg von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago



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Über die Verfasserin dieses Blogs:


Sandra Kerl ist seit jungen Jahren Abenteurerin im Herzen, fuhr nach dem Abi mit dem Interrail-Ticket alleine durch Europa, machte Backpacking durch Australien, Neuseeland, Indonesien, Mexiko. Seit 2020  sammelt sie Erfahrungen zu Fuß unter ihrem Pilgerhut. 2022 erfüllte sie sich ihren größten Herzenswunsch und pilgerte 800 Kilometer solo durch Nordspanien auf dem Jakobsweg. Anschließend veröffentlichte sie darüber ihr erstes Buch 'Komm mit mir nach Santiago'.




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Die Frau (unterm) Pilgerhut:

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Autorin | Pilgerin | Pilgersteinmalerin | Hobbyfotografin |

4 Jakobswege = 1650 km

Buen Camino!

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