Rucksack waschen in der Maschine. Ein Selbstversuch und 6 glorreiche Tipps
- Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra

- vor 6 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Das Problem kennt jeder Pilger und jede Langstreckenwanderin. Nachdem du zuhause wieder angekommen bist, braucht nicht nur der Inhalt deines Rucksacks eine Grundreinigung, sondern auch das Konstrukt selbst, das du Wochen auf dem Rücken mit dir rumgeschleppt hast. Die Tragegurte und das Rückenteil hatten täglich unbeschreiblich fröhlichen Kontakt mit deinem Schweiß und zeigen deinen Salzverlust als Randerscheinung. Der meist schwere Sack wurde während deiner Tour hin und wieder achtlos auf die Erde fallen gelassen. So auch meinem Lieblingsstück geschehen auf meiner letzten Pilgerreise. Dreckig, voller Staub, Krümel oder anderer Verkrustungen ist er nun, nachdem er Hunderte Kilometer mitgenommen wurde, und wartet auf einen Rettungseinsatz meinerseits.
Hier sind meine Erfahrungen, die wieder zu einem sauberen Rucksack helfen.
Ausgangslage
Darf ich vorstellen: ein ehemals türkisfarbenes, nun schmutziges Damenmodell eines deutschen Herstellers mit einem maximal Volumen von 35 plus 10 Litern an dem ich sehr hänge.
Ich zeige Dir, worauf du unbedingt achten solltest, wenn du deinen Rucksack in der Waschmaschine waschen willst und warum man mich ab und zu Mrs. Blauäugig nennt.
Erste Hürde Rucksack waschen - Herstellerempfehlungen lesen und entscheiden
Werfe vorab einen Blick auf die Empfehlungen des Herstellers auf seiner Webseite und wäge ab. Die meisten Ausrüster raten von der Reinigung in der Waschmaschine ab und sehen nur eine Handwäsche vor.
Für das Abraten von der Maschinenwäsche gibt es zwei Hauptgründe:
Die die allermeisten Rucksäcke ein verstellbares, sehr steifes Rückensystem, das nur sehr mühsam oder gar nicht ein-, bzw. ausgebaut werden kann.
2. Der andere Faktor heißt Materialbelastung, der der Rucksack während des Waschgangs durch die Umdrehungen ausgesetzt ist. Auf Dauer können so Beschädigungen an der PU-Beschichtung entstehen, Riemen oder Schnallen reißen.
Das Rückenteil vor der Maschinenwäsche zu entfernen, wie vorgeschlagen, war mir in meinem Fall ehrlich gesagt zu kompliziert. Ich hatte keine Angst, dass das Auseinandernehmen nicht klappt, sondern vielmehr, dass der anschließende Zusammenbau ein Desaster werden würde.
Nach meinen vorangegangenen Touren hatte ich mich brav an die Empfehlungen gehalten und den Rucksack entsprechend der Vorgaben immer nur mit einer Bürste und etwas warmen Wasser gesäubert, denn ich wollte die Beschichtung, Riemen und Tragegestell nicht ruinieren. Aber das Ergebnis der Handwäschen hatte mich bislang nicht überzeugen können.
Nun hatte der Rucksack bereits ein gewisses Alter und einen erheblichen Verschmutzungsgrad erreicht und die Zeit war reif für sein erstes Vollwäscheabenteuer in der Trommel. Komplett, samt Rückenpolsterung. Außerdem hatte ich bereits mit mehreren PilgerInnen gesprochen, die alle ihre Rucksäcke ohne Schaden in der Maschine gewaschen hatten.
Tipp Nr. 1 - Komplett entleeren! Alle Fächer kontrollieren!
Es ist grundsätzlich, auch bei Hosentaschen immer eine gute Idee vor dem Waschgang zu überprüfen, ob sich nicht doch noch ein gefährliches Papiertaschentuch darin versteckt, das zur Selbstauflösung tendiert. Wanderrucksäcke haben mittlerweile ganz viele Geheimfächer, Reißverschlusstäschchen und Hüftgurtstauräume, dass sich dort locker noch das kleine Taschenmesser, ein längst gegessen geglaubter klebriger Müsliriegel oder, wirklich ganz schlimm - der voll gestempelte Pilgerpass verborgen hält, obwohl man doch eigentlich sicher war, dass der Rucksack komplett leer war ...
Tipp Nr. 2 - Materialcheck. Gut verpacken, um Schnallen zu schützen
Da die heutigen Wanderrucksäcke ja neben den vielen Taschen auch tausendundeine Schnalle, Schlaufe und Gurte haben, ist es durchaus sinnvoll diese zu schützen, einzuklemmen oder zu fixieren, damit sie beim Waschgang nicht aufeinander reiben, Materialschäden verursachen oder sich in der Trommel verheddern und abgerissen werden können.
Also habe ich im ersten Schritt alle Schnallen, Reißverschlüsse und Gurte geschlossen und festgezurrt, bevor ich den Rucksack gepackt und ihn zum zusätzlichen Schutz in einen riesigen Wäschesack gestopft und zugebunden habe, den ich seinerseits in unsere heimische Waschmaschine drängen wollte.
Tipp Nr. 3 - Waschmaschine einstellen: schonender Zyklus
Stelle die Temperatur auf 30 Grad damit Materialien und Klettverschlüsse nicht leiden und wähle einen Schonwaschgang aus, entweder ganz ohne Schleudern oder mit niedrigem Schleudergang (max. 400 U/min). Zu hohe Umdrehungen könnten zu allerlei Schäden führen wie z. B. Verformungen. Als Waschmittel wollte ich das spezielle milde Flüssigwaschmittel verwenden, das ich auch für meine Merinowäsche verwende. Versteht sich von selbst - keine Bleichmittel und Weichspüler zugeben, die könnten Gurtmaterialien, Klettverschlüssen und Farben schaden.
Tipp Nr. 4 - Die Größe der Waschmaschine beachten!

Je nach Litervolumen und Größe deines Rucksackes kann es helfen noch vor dem Verpacken einen Blick in deine Waschtrommel zu werfen und schonmal abzuschätzen, ob das gut verschnürte Objekt überhaupt darin Platz finden würde. Bei Tagesrucksäcken wird das kein Problem sein. In meinem Fall, stieß ich, als ich zum Waschen in den Keller ging, auf ein unvorhergesehenes Hindernis, was meinen Plan ruinierte. Und das sah leider so aus: Rückenteil zu hoch und steif - Trommel zu klein. Da hätte nur rohe Gewalt geholfen, um die Tür schließen zu können. Alternativ hätte ich den Rucksack auseinanderbauen müssen, aber wie schon erwähnt, das wollte ich nicht versuchen. Herr im Himmel! Warum hatte ich das erst bemerkt, nachdem ich ihn verpackt hatte? Da musste ein Plan B her und der sah ein Spontanvollbad in der Badewanne vor.
Dazu habe ich dasselbe Waschmittel für empfindliche Funktionswäsche, was ich eigentlich in die Maschine kippen wollte, zum warm eingelassenen Wasser hinzugefügt.
Ich habe den Rucksack erst eine ganze Stunde einweichen lassen und dann mit extra Seife und einer weichen Bürste geschrubbt, besonders die Stellen, an denen sich die Verschmutzungen gesammelt hatten.
Dann habe ich den Rucksack herausgenommen und grob ausgedrückt.
Tipp Nr. 5 - Trocknen
Zum Trocknen habe ich ihn an der Luft aufhängt, dabei Innen und Außentaschen geöffnet, damit die Luft zirkulieren kann. Vermeide am Besten direkte Hitze von Heizung oder Sonne, das kann Materialien austrocknen.
Alles in allem fand ich, dass das Ergebnis des Wannenbades ganz ok, aber ich tatsächlich nicht zufrieden war - Für die ganze Mühe, die ich mir gegeben habe!
Und deshalb gab es für mich noch Plan C...
Tipp Nr. 6 - Spare dir Aufwand und bring ihn in die Reinigung
Natürlich kannst du es dir noch einfacher machen, selbst wenn er in deine heimische Maschine passt, indem du deinen Riesenrucksack entweder in einen Waschsalon bringst oder in eine professionellen Reinigung.

Gerade in Spanien habe ich einige XXL-Waschmaschinen im Waschsalon gesehen in denen selbst mein Rucksack wie ein Floh gewirkt hätte. Tatsächlich muss ich dabei immer an eine Begebenheit denken, die mir in Sarria begegnet ist, als ich dort meine Wäsche waschen wollte und sah wie ein Pilger seinen kompletten Gear in so eine riesige XXL-Trommel geworfen hat: Rucksack, Schuhe, Schlafsack, Kleidung. Alles rein, Tür zu, 90 Grad, Maschine an!
Bettwanzen waren der Grund für diese gewagte, zu heiße Aktion.
Damit ich nicht umsonst in die Reinigung fahre, habe ich mich vorher erkundigt, ob sie Wanderrucksäcke überhaupt annehmen. Nach Telefonat mit der 1. Reinigung war weder meine Gesprächspartnerin, noch ich überzeugt von einem Besuch meines Rucksacks in der dortigen Trommel, aber Reinigung Nr. 2 wollte sich das gute Stück zunächst ansehen und dann entscheiden, ob es in den Genuss einer Vollreinigung kommt.
Ich habe ihn dann dort hingebracht und nach einem Aufklärungsgespräch seinem Schicksal überlassen.
Eine Woche später habe ich ihn gegen 13 Euro wieder in Empfang genommen. Was soll ich sagen? Er hat rein optisch keinerlei Schäden davongetragen und wirkt fast wie neu. Selbst meine Aufnäher haben es klaglos überstanden. Auf jeden Fall sehe ich eine Differenz zu meiner Badewannenaktion. Hier seht ihr das Ergebnis im Vergleich zu oben:
Mein Fazit
Für die Entscheidung, wie du deinen Rucksack waschen willst, ist es sehr hilfreich sich vorher ein paar Gedanken zu machen.
Ich würde zunächst versuchen einen arg strapazierten und verschmutzen Rucksack in der heimischen Waschmaschine zu waschen, falls er reinpasst. Das ist günstiger als der Gang zur Reinigung.
Andernfalls suche eine Reinigung zu der du Vertrauen hast.
Hängt dein Herz jedoch sehr an deinem Rucksack, ist er noch neuwertig und kaum verschmutzt, würde ich ihn wahrscheinlich erstmal konservativ händisch mit Warmwasser und Bürste säubern.
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Über die Verfasserin dieses Blogs:
Sandra Kerl ist seit jungen Jahren Abenteurerin im Herzen, fuhr nach dem Abi mit dem Interrail-Ticket alleine durch Europa, machte Backpacking durch Australien, Neuseeland, Indonesien, Mexico. Seit 2020 sammelt sie Erfahrungen zu Fuß unter ihrem Pilgerhut. 2022 erfüllte sie sich ihren größten Herzenswunsch und pilgerte 800 Kilometer solo durch Nordspanien auf dem Jakobsweg. Anschließend veröffentlichte sie darüber ihr erstes Buch 'Komm mit mir nach Santiago'. Für 2026 steht Pilgern durch Frankreich auf der Agenda.
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