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Die CF  Packliste für's (regenreiche) Frühjahr

Das leidige Thema Ausrüstung. Ich habe mir echt länger den Kopf zerbrochen und mir jetzt endlich mal eine persönliche Packliste in Excel zu backen  und mit ein paar wortreichen Erklärungen als Sahnehäubchen zu garnieren. Natürlich vorher brav alles auf meiner Küchenwaage abgewogen. Trommelwirbel....

Ich präsentiere euch feierlich meine Frühjahrs-Camino-Frances-Collection-Liste 2022!

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Diese Liste ist nicht absolut identisch mit den Dingen, die ich im letzten Jahr für den Bayerischen Camino eingepackt hatte, aber in großen Teilen. Die Unterschiede ergeben sich durch Unterkünfte und Jahreszeiten. 11 Kilogramm wiegt mein Rucksack hiernach, inclusive 2 Litern Wasser und ein wenig Proviant, abzüglich eines Sets Klamotten und Schuhen. Ich finde das ist gar nicht so schlecht für größere Elfen wie mich.

Fragt man Leichtgewichtexperten, habe ich trotzdem zu viel dabei. Der unangefochtene Tipp Nr. 1 lautet überall ja: je leichter der Rucksack, desto besser. Meine Liste ließe sich leicht reduzieren, aber nach wie vor habe ich ja die blöde Tendenz, dass ich für alle Eventualitäten gerüstet sein möchte und gerne alles akribisch plane. Manches braucht es sicher nicht zum Überleben, aber es ist " nice to have" unterwegs, so dass ich es gerne mitschleppe.  Von Formeln, gemäß denen ein Rucksack zehn Prozent des Körpergewichts wiegen soll, halte ich wenig. Das muss jeder für sich selbst ausprobieren und entscheiden.

 

Nimm meine Packliste also gern als Orientierung. Sie erhebt nicht den Anspruch perfekt zu sein. Sie hat sich für mich auf dem BayCam bewährt und vielleicht erinnert sie dich an den einen oder anderen Gegenstand, den du sonst vergessen hättest. 

Tatsächlich gibt es Leute, die planen ihren Camino und ihre Ausrüstung mit nur einer Woche Vorlauf und ohne große Listen. Und vergessen was Wichtiges.

Ich habe gelesen, dass es in Pamplona, also relativ am Anfang der Strecke, einen Shop geben soll, wo man ungefähr alles kaufen kann, was man bis dahin schmerzlichst vermisst hat.

Nein, es ist keine Apotheke. Höchstens so teuer.

Aber für die meisten Pilger, wie auch für mich, steht wahrscheinlich ein mehrsprachiges Warnschild vor der Eingangstür – Bitte vorbeigehen!

Vielleicht findet sich da ja auch eine Dropoff-Box für Überschüssiges oder eine Post um ein Päckchen Ballast zurückzusenden.

Bei meiner letzten Packlistenrecherche hab ich tatsächlich ein paar Zusammenstellungen entdeckt, die ich bis dato noch nicht kannte. Ist schon witzig, dass unterschiedliche Nationalitäten auch unterschiedliche Ausrüstungsvorlieben haben. Japanerinnen  pilgern anscheinend unisono mit Duschhaken. 

Und nun zu den weiter oben angekündigten wortreichen Erklärungen der Ausrüstung. Fangen wir an mit den Dingen, die essentiell für ein Pilgergreenhorn sind:

I.Unverzichtbares

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  1. Der Rucksack

 

Ich nehme den Deuter AIRCONTACT LITE 35 + 10 SL mit.

Der Rucksack sollte zwischen 35L und 45L fassen und gut an Deinem Körper sitzen. Es ist außerdem extrem wichtig, dass Du einen richtigen Wander-Rucksack hast, der den größten Teil des Gewichts von deinen Schultern auf die Beckengurte überträgt. Der Deuter Aircontact ist ein Damenmodell, wobei das SL hinter der Bezeichnung für Kurzlänge steht. Da ich 1.75m groß und keine Gazelle bin, ist die Rückenlänge bei mir grenzwertig auf der letztmöglichen Verlängerung eingestellt. Für noch größere Damen ist dieser Rucksack nicht empfehlenswert. Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile sogar bereits ein Nachfolgermodell.

Ich hatte mich für dieses Modell nach vielen Recherchen im Internet entschieden und dort auch bestellt. Mittlerweile ist er ausgiebig auf dem Bayerischen Camino getestet worden.

Ich habe allerdings alleine lange gebraucht, bis ich ihn mir so eingestellt hatte, dass er mir optimal passt. Wenn er optimal gepackt ist, was ich anfangs auch nicht immer geschafft habe, finde ich ihn superbequem.

Für mich hat er nur ein Manko – bei Wanderstockeinsatz  scheuert er mir an einem Riemen die Innenseite des linken Oberarms auf. Aber das weiß ich durch entsprechende Kleidung oder tapen der Stelle mittlerweile zu verhindern. Für den nächsten Rucksack werde ich jedoch in ein Fachgeschäft gehen, um ihn  anzuprobieren.

 

2. Die Wanderschuhe

Der HANVAG BANKS EXTRA LADY GTX ist mein Favorit.

Gut eingelaufene, bequeme und genügend große Wanderschuhe und doppellagige Wandersocken (2 Paar von Wrightsocks) sind das A  für einen schmerzreduzierten, blasenfreien, fußnägelerhaltenden Fernwanderweg. Das O ist die tägliche morgendliche Pflege mit Hirschtalgcreme.

Die Füße können nämlich andernfalls, noch vor dem Rücken, die größten Spielverderber werden. Ich für meinen Teil habe Füße ähnlich wie die Hobbits. Problemfüße. Für Damen extrem breit, platt und relativ lang.

Ich tendiere, trotz aller berechtigten Einwände gegen das hohe Gewicht des Schuhs,  zu diesem relativ schweren, robusten, knöchelhohen Treckingstiefel, der mir besonders beim Abstieg Halt und Stabilität verleiht.  Ich finde ihn sehr bequem und in meinem Fall ist er wohl extra im Auenland für weibliche Hobbitfüße gefertigt worden.

Ich bin schon beim Bericht Vorbereitungen kurz darauf zu sprechen gekommen. Wiederhole es hier aber gerne nochmal: Die Füße sind der König auf deinem körperlichen Schachbrett. Die musst du schützen, und hegen und pflegen, sonst wird dein Pilgerspiel sehr schnell matt sein. Selbst Leute, die mit eingelaufenen Schuhen bisher nie Blasen auf Wanderungen hatten, sind überrascht, wenn sie ihre Schuhe und Socken ausziehen und feststellen, dass sie  erstmalig Blasen an den Füßen haben (so wie ich).

Eigentlich aber nicht verwunderlich, denn die Belastung für die Füße ist extrem hoch, die Strecke extrem lang, in den meisten Fällen quillt der Fuß durch Wärme oder Nässe auf, die Reibung zwischen Socke und Fuß erhöht sich durch die Feuchtigkeit und zack – willkommen im Blasenland. Das Häufigste von vielen möglichen Fußproblemszenarien.

 

3. Schlafsack

 

Der Deuter Dreamlite Kunstfaserschlafsack ist meine Wahl.

.Da muss ich zu meiner Schande gestehen, dass er noch nicht erprobt ist, da ich ihn in deutschen Unterkünften noch nicht gebraucht habe. Der Schlafsack wird allerdings extrem häufig empfohlen, daher kann er nicht soooo schlecht sein. Vom Gewicht ok. Ich hoffe, er hält dann auch wirklich, was er verspricht, damit ich nicht klappern muss vor Kälte.

 

4. Wanderstöcke:

 

Für Kniegeplagte.  Ich benutze Steinwood Premium Carbon Wanderstöcke, verstellbar mit Teleskop- und Klemmverschluss.

Für mich ein absolutes Muss. Entlasten die Knie beim Auf- und Abstieg. Bieten außerdem bei steilen Abstiegen mehr Sicherheit ohne Überschlag ins Tal zu kommen. Bei meinen Stöcken waren die Klemmen anfänglich etwas schwergängig, aber mittlerweile in Ordnung. Es gibt aber auch noch leichtere und kleiner faltbare Modelle.

5. Ersatzsandalen/FlipFlops

 

Ich liebe die Teva W Tirra Outdoorsandalen.

Sie sind, gerade im Sommer, eine Wohltat für jeden Fuß nach einem Tag im stickigen Wanderschuh. Allerdings sind sie mit 500g pro Paar wirklich schwer, da sie eine dicke Sohle haben. In Bayern hatte ich sie immer dabei, aber ich überlege noch, ob ich sie tatsächlich gegen leichtere Croqs eintauschen werde, die den Vorteil hätten auch in Gemeinschaftsduschen ihren Dienst zu tun. Ich persönlich bin kein FlipFlopper.

6. Handtuch.

Habe lange überlegt wegen der Größe und mir dann 70 x 140 cm bestellt. Microfaser ist eh klar. Gibt viele Anbieter im Netz. Ich finde das Gewicht mit 200 g noch relativ hoch, wollte aber auch nicht so einen Minifetzen, falls man es doch mal als Sichtschutz vor dem Bett verwenden will.  

7. Stirnlampe

 

Die Petzl E02 P3 E + Lite wird eingepackt.

Extrem leicht mit 20 g und hoffentlich gut, da noch nicht getestet.

 

8. Wasserdichte Packsäcke

Gekauft von der Firma Osprey und ausgiebig getestet. Ich hab  drei  in unterschiedlichen Größen für Klamotten, Handtuch und den Rest. 100% Leistung. Da gibt s nichts zu meckern. Alles was drin ist bleibt trocken, selbst in der Waschmaschine (das hab ich nur so gesagt). Sie sind definitiv raschelärmer als Plastiktüten und sie tragen auch noch dazu bei, dass du etwas mehr Überblick im Rucksack behältst.

9. Regenbekleidung:

 

Meine Wahl : Patagonia Torrentshell 3 L Regenjacke

Maier Sports Raindrop Regenhose

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Gute Regenkleidung ist wichtig. Andernfalls kann sich das extrem auf die Laune niederschlagen, wenn du nass und klamm durch die Landschaft watest und dein Zeug bis zum nächsten Tag trockenkriegen musst. Im Hochsommer mag das nicht unbedingt gelten, aber der Mai ist mit der regenreichste Monat auf dem Camino. 

Poncho oder Regenjacke plus Regenhose? 

Ich habe beides getestet und finde es nach wie vor eine sehr schwierige Entscheidung.

Es gibt einige Argumente für den Poncho und einige dagegen.

Für den Poncho bei leichten bis mittleren Regen und nicht zu kalten Temperaturen spricht, dass du die Regenhülle für den Rucksack sparen kannst, sowie die Regenjacke und in den meisten Fällen auch die Regenhose. Du trägst also nur ein Teil statt Drei und sparst  ordentlich Gewicht ein.

Auf der anderen Seite habe ich die Erfahrung gemacht, dass du den Poncho alleine schlecht an und ausziehen kannst. Und wenn der erstmal nass ist und du brauchst auf der Strecke irgendwas aus dem Rucksack, ist das ein ziemliches Procedere. Poncho aus – du wirst derweil nass – Rucksack aus – Rucksack öffnen – kramen – Rucksack wird auch nass – Rucksack schließen- Rucksack wieder anziehen -Poncho wieder anziehen- du hättest direkt ohne Poncho gehen können.

Generell bei Starkwind, besonders bei Seitenwind, kombiniert mit Regen, flattert er ziemlich und du bist  im Nu von untendrunter klatschnass.

Ich hatte mir den recht billigen Poncho aus dem Pilginoshop bestellt, in rot, und meine Erfahrung damit auf dem Bayerischen Camino kannst du in meiner Lieblingsetappe nachlesen….

Mit meiner Patagonia Regenjacke Torrentshell bin ich auch schon gelaufen: im November bei wenigen Plusgraden und konstantem Regen über die komplette Tagesetappe. Kann ich nur empfehlen. Nur an den Ärmelbündchen muss man etwas aufpassen, ansonsten Topjacke.

Regenhülle Rucksack: von Deuter Größe II (das blaue Päckchen auf der Regenhose)

Es gibt kaum Schlimmeres als wenn der Inhalt deines Rucksackes neben den Dingen, die du am Leibe trägst, ebenfalls nass wird. Deshalb empfehle, falls du nicht mit einem guten Poncho unterwegs bist, eine passende Regenhülle auf deinen Rucksack . Bei stundenlangen Starkregen kann es sein, dass auch da was durchgeht, wenn die Hülle nicht optimal zur Rucksackgröße passt. Deshalb solltest du die Klamotten im Rucksack auf die wasserdichten Packsäcke verteilen. Damit beugst du bösen Überraschungen vor.

10. Kopfbedeckung(en)

Gegen die Sonne:

Hab ich meinen Pilgerhut dabei, gekauft als Anlgerhut mit Belüftungsfenster bei Amazon. Bei Sonne gibt s nichts besseres. 

Gegen die Kälte:

Eine leichte Goretex Mütze + Goretex Handschuhe

Würde ich im Sommer natürlich zuhause lassen, und ich weiß echt nicht, ob das Ende April noch übertrieben ist, aber ich bin ja eine kleine Frostbeule mit empfindlichen Ohren. Eine meiner größten Ängste auf Etappe 1 ist, neben der Anstrengung , dass das Wetter schlecht ist und ich im kalten Regen über die Pyrenäenetappe kriechen muss und nass, klamm und eisekalt in Roncesvalles ankomme.

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II. ErsteHilfeKit/Medizin
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Meine Tasche beinhaltet:

- ausreichend Compeed Blasenpflaster in vielen Größen (die Wunderwaffe gegen Blasen – einfach drauflassen über mehrere Tage, auch nicht zum Duschen abmachen)

- andere Pflaster in vielen Größen

- 2 Verbandpäckchen

- Rolle Leukoplasttape (muss alles kleben)

- Hirschtalgcreme 100 ml (die Nahrung für die Füße)

- Diclofortecreme (bei verspannten Muskelschmerzen)

- Octanisept (Desinfektion von Wunden)

- Bepanthensalbe (wenn was heilen soll)

- Nadel + Faden

- pers. Medis

- Pinzette

- Sicherheitsnadeln

- eine Minitrillerpfeiffe

III. Waschzeug im Beutel
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  • Zahnbürste

 

  • Zahnpasta

 

  • Zahnseide

 

  • Shampoo für Haut, Haar und Klamotte

 

  • Deoroller

 

  • Labello

 

  • Haarbürste (ungefähr Puppengröße)

 

  • Sonnencreme min. 30 LSF

 

  • einige Q-tips (für schöne Ohren)

 

  • Rasierer

 

  • 1 Haargummi

 

  • Nagelschere (die muss alles schneiden)

 

Bitte keine Familienpackungen mitnehmen!

 

 

IV. Elektronik

  • Handy + Ladekabel

 

  • Powerbank + Ladekabel

 

  • Doppelstecker zum gleichzeitigen Laden von Powerbank u. Handy

 

  • SIM-Karte Spanien

V. Papiere

  • Personalausweis

 

  • Krankenversicherungsnachweis

 

  • Tickets

 

  • Kreditkarte zum Abheben von Bargeld

 

  • Geldbörse mit Bargeld (Unterkünfte nehmen kaum Kartenzahlung)

 

  • Geheime Gürtelinnentasche für Geld

 

  • Pilgerpass

 

  • Wasserdichte Hüllen für Handy und Papiere (mit meinen kann man angeblich tauchen - nein nicht getestet)

 

VI.  Ernährung to go

  • Trinksystem 2 L mit Blase, Schlauch und Mundstück

  • kleine Plastikflasche

  • Göffel

  • Taschenmesser

  • Tasse faltbar

  • Teebeutel (für Tasse faltbar - hoffentlich gibt es heiße Quellen unterwegs)

  • Notmüsliriegel

  • Magnesium direkt (Pulvernahrung für schlappe Muskeln)

 

VII. Sonstiges = Verzichtbares?

  • Pilgermuschel ( für mich wichtig)

  • Pilgerreiseführer (der ist schwer und es ginge auch per App)

  • Pilgerstein (absolutes Muss für mein Pilgersteinprojekt - siehe #pilgerstein)

  • Handdesinfektion (wegen  des Pandabärs)

  • FFP2 Masken (s.o.)

  • Notizbuch und Stift (ginge auch direkt ins Handy)

  • Ohropax (eigentlich hasse ich die)

  • Lese/Sonnenbrille (Lesebrille! Ich fürchte, die ist hilfreich geworden)

  • 1 Päckchen Taschentücher (findet man bestimmt auch unterwegs)

  • kleine Sitzunterlage Iso (für nasse/kalte Untergründe)

 

 

Letzte TIPPS TIPPs TIPPs für Greenhörner

 

Ich empfehle jedem, der Langstreckenambitionen hat, die wichtigen und neu gekauften Ausrüstungsgegenstände unbedingt VOR Reiseantritt ausgiebig testen.

Dazu gehören definitiv die Schuhe samt doppellagiger Wandersocken, der Rucksack und euer Regenzeug. Pilgert oder wandert doch einfach vor der eigenen Haustür. Entweder macht Tagestouren oder, noch besser, auch mal mit Übernachtung.

Wenn ihr z.B.  das Gehen mit Teleskopstöcken nicht kennt – probiert auch das aus.

Auf diesen "Probewanderungen" lernt ihr sehr schnell  euren Körper kennen und wie ihr ihn behandeln, bzw. nicht behandeln solltet. Auch merkt ihr, ob eure Ausrüstung Schrott ist und könnt überlegen, ob ihr mit dem Schrott wirklich weit laufen wollt.

Und ihr findet schnell heraus, was im Rucksack ihr dringend braucht, aber normalerweise ganz unten liegt, was ihr dringend gebraucht hättet, aber nicht dabei habt und was ihr gar nicht gebraucht habt und besser zuhause gelassen hättet.

Daraus kann man die ein oder andere sinnvolle Entscheidung treffen, um sich die körperliche Anstrengung ein wenig zu erleichtern .Das ist effektiver als 10 tolle Excellisten von anderen Pilgern zu  lesen, nachzukaufen aber nicht auszuprobieren. 

Und als Letztes dran denken:

Gebrauchte Regenklamotten und Schuhe vorher nochmal imprägnieren.

Hab ich was Wesentliches vergessen? Oder siehst Du was komplett anders?

Schreib mir doch einfach, was du denkst !