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Via Podiensis Etappe 5: Saint-Alban-sur-Limagnole - Aumont-Aubrac | Erfahrungsbericht, Tipps & Highlights

Autorenbild: Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
vor 13 Stunden
5 Min. Lesezeit

Saint-Alban-sur-Limagnole - Aumont-Aubrac 16 Km

Mein Tag 5 auf der Via Podiensis. Überschaubare Entfernung, erster Regentag inklusive Kurzgewitter. Der Weg führt über Gelände mit mehreren An- und Abstiegen. Nichts Spektakuläres, aber genug, damit die Beine nicht auf die Idee kommen, es handele sich vielleicht doch um einen Spaziergang. Tun sie nicht, denn die Bodenbeschaffenheit erfordert teilweise erhöhte Aufmerksamkeit.


Wenn der Jakobsweg zum Bachbett wird

Merkwürdigerweise treffe ich heute im Vergleich zu gestern wesentlich mehr Pilger, würde sogar sagen, der Weg ist gut frequentiert, mindestens 30 Leute zähle ich allein schon beim Verlassen von St.-Alban. Alle scheinen wegen des Wetterwechsels später aufgebrochen zu sein als die Tage zuvor. Die Temperatur ist im Vergleich zu vorgestern um schlappe 20 Grad abgestürzt. Gerade noch zweistellig.

Etwas hinter St.-Alban wird der Weg teilweise rustikal und uneben, es geht über viel Geröll, Steinplatten und Wurzeln, nicht wirklich Wellness für die Füße und mit Stolperpotential, aber zumindest abwechslungsreich. Zudem ist die Podiensis an einigen Stellen so tief ausgewaschen, als wären in der Vergangenheit ganze Bäche mitten durch oder an der Seite heruntergerauscht.



Ein Anblick, den ich noch aus dem Vorjahr kenne – ein Stück hinter Genf kam mir an einem Tag ebenfalls deutlich mehr Wasser auf dem Jakobsweg entgegen, als mir lieb war. Das ist wirklich kein Spaß. Heute habe ich mehr Glück: kein Wasser auf dem Weg. Dafür müsste es erstmal regnen.


Ausgewaschene  und verengte Podiensis vor Les Estrets
Ausgewaschene und verengte Podiensis vor Les Estrets

Zehn Minuten Weltuntergang

Zusammengefasst sind die ersten zwei Stunden eigentlich ganz passabel: zwar etwas kühl und grau, aber trocken. Immerhin. Nach dem hitzigen Start der ersten Tage hatte ich tatsächlich schon geglaubt, dass ich Regenzeug und Fleece völlig umsonst durch die französische Gegend schleppe. Ein klassischer Fehler, der natürlich nach umgehender Bestrafung ruft.

Sofort kracht es zwei-, dreimal ordentlich über mir, und für etwa zehn Minuten kommt der Himmel runter. Wie unangenehm. Natürlich bin ich gerade mitten in der offenen Wiesenbotanik, ohne jegliche Unterstellmöglichkeit. Und natürlich genau in dem Moment, in dem ich gerade darüber nachdachte, ob ich nicht an einer günstigen Stelle besser auch meine Regenhose anziehen sollte. Die Jacke und Rucksackschutz hatte ich schon am Morgen übergeworfen.

Das Ergebnis ist so semi: oben- und hintenrum dry, untenrum klatschnass. Meine Hose hängt mir fortan mit der Begeisterung eines nassen Waschlappens an den Beinen, was sich aber positiv auf mein Tempo auswirkt.

Die anderen Pilger sehen übrigens ähnlich begeistert aus, nicht nur an den nassen Beinen. Man könnte meinen, wir hätten kollektiv beschlossen, die Vorzüge atmungsaktiver Funktionskleidung ohne Hardshellschicht testen zu wollen. Dabei war die Reaktionszeit einfach nur zu kurz.


Via Podiensis zwischen St-Alban und Aumont Aubrac
Via Podiensis zwischen St-Alban und Aumont Aubrac

Mäßig gelaunt passiere ich weitere Wiesen. Kornblumen säumen die noch saftig grünen Getreidefelder, die teilweise mit Stacheldraht eingezäunt sind. Erschließt sich mir nicht, denn es steht kein Vieh drauf. Ob die Eigentümer Angst um ihre Erträge haben? Wer klaut Korn? Ich weiß es nicht. Zumindest die Vögel finden den Draht ganz praktisch zum Sitzen.


Noch grüne Weizenfelder
Noch grüne Weizenfelder

Die Intensität des Niederschlags lässt zwar schnell nach, aber das regnerische Wetter hält sich bis kurz vor meinem Tagesziel, Aumont Aubrac, dann klart es etwas auf und der Regen stoppt.

Kurz vor Aumont-Aubrac
Kurz vor Aumont-Aubrac

Durch die französische Blume gesagt


Aumont-Aubrac gilt als Tor zum Aubrac-Plateau. Mit dem Erreichen des Ortes habe ich die Margeride-Region nun hinter mir gelassen. Ich bin gespannt, wie es morgen weitergeht, aber zunächst klopfe ich an meine Gite. Dort erwarten mich heute ausschließlich Franzosen und ein Belgier, die quasseln mir am Tisch bei einem Begrüßungsdrink die Ohren wund.

Ich mag den Stil von Annie, der Herbergsfrau, die in den Räumen verschiedene Schilder aufgehängt hat. Eigentlich finde ich die Texte ganz lustig formuliert, aber ich glaube, sie meint es schon sehr ernst. Besonders die angepinnte Bitte, um ein blutiges Massaker auf ihren Bettlaken zu verhindern:


EMPFEHLUNG

Freunde des Pilgerns, Wanderns und Marathonläufer,


Ich bedanke mich bei Euch dafür, dass Ihr eure kleinen Wehwehchen sorgfältig auf einer abwaschbaren Unterlage versorgt und den Boden, die Bettwäsche etc. mit Papier, bzw. einem Pflaster für die Nacht schützt, damit keine Flecken auf der Bettwäsche, etc. entstehen.

Vielen Dank für Euren großen Respekt gegenüber der Unterkunft und Eure Mithilfe.

Schild in meiner Pilgerherberge in Aumont-Aubrac
Schild in meiner Pilgerherberge in Aumont-Aubrac

Oh, ich habe schon Wunden an französichen Füßen (Marko!) gesehen, die mindestens für ein ganzes Leben voller Horrorvorstellungen reichen. Mir ist daher vollkommen klar, was für eine Sauerei diese Verletzungen bedeuten, beziehungsweise welchen Müll ihre Besitzer beim Verarzten solcher Herrlichkeiten hinterlassen können. Blutflecken brauchen ja eine besondere Vorbehandlung, damit sie wieder gut beim Waschen rausgeht. Ich an ihrer Stelle würde auch nicht ständig meine Laken sonderreinigen oder austauschen wollen.


Ich reise ohne Bettwanzen!

Dieser Slogan auf und hinter den hübschen Sprühfläschchen im verschlossenen Schränkchen zieht ebenfalls meine Aufmerksamkeit auf sich. Die kann man hier tatsächlich kaufen.


"Punaises de lits" bedeutet übersetzt Bettwanzen. Die Firma Clako stellt dieses natürliche Insektenschutzmittel her, das speziell zur Bekämpfung und Vorbeugung dieser lästigen Tierchen eingesetzt wird. Präventiv soll man seine gesamte Ausrüstung (insbesondere die Außenseite und die Reißverschluss-nähte von Rucksack & Schlafsack) schon vor der Reise gründlich einsprühen. Die natürlichen Extrakte sollen die Wanzen abhalten an die behandelten Gegenstände zu gehen. Auch während der Reise soll man die Prozedur regelmäßig wiederholen, um Bettwanzenbefall auszuschließen.

1. Hilfe gegen Bettwanzen in meiner Pilgerherberge in Aumont-Aubrac
1. Hilfe gegen Bettwanzen in meiner Pilgerherberge in Aumont-Aubrac

Aha. Ich lese zwar interessiert und wundere mich ein bisschen, warum die wohl gerade hier verkauft werden. Da aber noch alle Fläschchen da stehen, winke ich innerlich sofort ab. Wer weiß schon, ob das Zeug wirklich wirkt. Noch was, was man zusätzlich mittragen muss? Braucht frau das wirklich? Nein.

Schlaflos in Aumont-Aubrac

Die letzten beiden Nächte waren supi, aber heute habe ich leider Pech. Im Bett neben mir wirft eine bretonische Waldarbeiterin ihre Motorsäge an, bevor ich es schaffe einzuschlafen. So laut, dass ich erst glaube, ich träume, dann aber ziemlich bald auf das Schlafsofa im Aufenthaltsraum flüchte. Leider ist unser Schlafraum nicht durch eine Tür, sondern nur durch einen Vorhang, der nur sehr wenige Dezibel Lautstärke absorbiert, von der Außenwelt getrennt, so dass selbst die Flucht in den wesentlich größeren Nachbarraum mir nicht hilft. Ich ergebe mich in das Schicksal einer weiteren schlaflosen Nacht.


5. Übernachtung: Gite Chemin Faisant

Sehr nette Atmosphäre und Gastgeberin, allerdings wird kein gemeinsames Abendessen in der Herberge angeboten, nur Frühstück. Es gibt allerdings Möglichkeiten sich entweder im Supermarkt auszustatten oder ins Restaurant essen zu gehen. Mein Zweier-Zimmer hat leider keine Tür, sondern nur einen Vorhang zum zuziehen. Das gilt allerdings nicht für die anderen Zimmer, die haben nämlich Türen.



Fazit zur fünften Etappe:

Heute keine läuferische Heldentat vollbracht, dafür ordentlich nass geworden. Trotzdem gab es genügend Landschaft für mein Pilgerherz: Felder, charmante Orte, und der allmähliche Wechsel von der Margeride zur Aubrac-Hochebene.



Etappe 5 auf einen Blick

Start: Saint-Alban-sur-Limagnole

Ziel: Aumont-Aubrac

Entfernung: ca. 16 km

Höhenprofil: 440 Hm bergauf. 370 bergab. Es bleibt wellig, aber entspannter.

Highlights: auf dieser Etappe keine nennenswerten

Der nächste Etappenstopp heißt für mich: Nasbinals. Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies weiter im nächsten Beitrag.

Alle Kommot-Tracks unter meinen Beiträgen habe ich selbst mit meiner Garmin Fenix Uhr aufgenommen. Es handelt sich um Bruttozeiten vom Start bis manchmal weit nach der Ankunft, inklusive sämtlicher Pausen, Trödeleien und Vergesslichkeiten. Sie sind nicht als Richtwerte für Gehzeiten zu verstehen.




← Tag 4:
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La Clauze - St.-Alban

Unterwegs auf der Via P.

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Aumont-Aubrac - Nasbinals

Weiterpilgern auf der Via Podiensis

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Mein Etappenplan für dich

→ Mein Via-Podiensis-Check
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Du möchtest wissen, ob die Via Podiensis zu dir passen könnte?


Kommentare


Die Frau (unterm) Pilgerhut:

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Autorin | Pilgerin | Pilgersteinmalerin | Hobbyfotografin |

4 Jakobswege = 2400km

​Fast genauso viele Begegnungen

Buen Camino!

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