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Via Podiensis Etappe 3: Monistrol D'Allier - La Clauze | Erfahrungsbericht, Tipps & Highlights

Autorenbild: Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
vor 4 Stunden
6 Min. Lesezeit

Monistrol d'Allier - La Clauze 22 Km

Meine dritte Etappe der Via Podiensis startet in Monistrol d'Allier und ist ein ziemlich deutlicher Hinweis des Jakobswegs, dass er noch lange nicht fertig mit mir ist. Von Monistrol geht es zunächst steil aus dem Alliertal hinauf zur Chapelle Sainte-Madeleine und weiter auf die dünnbesiedelte Hochebene der Margeride. Nach diesen ersten harten Kilometern bergauf wird es etwas entspannter: Wald, Wiesen, Weiler und weite Ausblicke begleiten mich über Saugues bis nach La Clauze, einem kleinen Nest, das besonders durch seinen mittelalterlichen Turm mitten im Dorf auffällt.


Stahlbrücke von Gustave Eiffel über den Allier in Monistrol
Stahlbrücke von Gustave Eiffel über den Allier in Monistrol

Eiffel Ästhetik

Wir haben ja im Tal übernachtet, auf rund 600 Metern. Angepeilt für heute habe ich La Clauze, ein Nestchen auf über 1.100 Metern. Es wird pulsmäßig also gut zur Sache gehen und das gleich vom Start weg.

Weil das gestern mit uns so harmonisch war, gehe ich auch heute wieder mit Linda los. Schon bald weht uns das aus Paris bekannte Flair von kühner Ingenieurskunst um die Pilgernasen. Aber kaum haben wir den Fluss Allier auf der markanten, grünen Stahlbrücke von Herrn Eiffel überquert, zeigt der Jakobsweg uns auch schon wo heute der Hammer hängt: ganz weit oben.

In Serpentinen geht es durch den Wald bergauf. Die Vögel zwitschern. Es riecht so gut nach frischem Grün, dass es mir beinahe gelingt die Anstrengung auszublenden. Nur beinahe.

Linda möchte während dieser physischen Hochleistung on top noch Französisch mit mir sprechen. Dumm nur, dass in meinem Fremdsprachensektor gerade ein schwarzes Loch klafft, das sämtliche französischen Vokabeln direkt und unwiederbringlich ins Nirwana befördert. Pardon! Je ne peux pas parler bergauf. Ich muss mich aufs atmen konzentrieren.

Was ich allerdings noch wahrnehme ist, dass wir ein seltsames Pilgerduo überholen: Eine sportliche Frau, um die 40 Jahre mit riesigem Rucksack und eine schmale Teenagerin ebenfalls mit ordentlichem Marschgepäck. Am Rucksack des Mädels baumelt ein abgeliebtes, hellblaues Schnuffeltiertuch. So eins, wie Kleinkinder es benutzen, um sich Wange an Tuch in den Schlaf zu kuscheln. Dieses besondere Accessoire war mir schon Vorgestern beim Verlassen der Kirche in Le Puy an ihr aufgefallen, und nur der Fakt, dass es dort sichtbar für jeden an ihrem Rucksack hängt, löst bei dem Muttertier in mir einen Mix aus Gedanken und Gefühlen aus, die zwischen Empathie, Mitleid und Schmerz schwanken.

Im Gegensatz zu ihrer ungeduldig wirkenden Begleitung hat das Mädel enorme Probleme sich den Berg hinauf zu schleppen, wobei ich nicht einordnen kann, ob diese nur konditionellen oder auch motivationstechnischen Ursprungs sind.

Ein harmonisches Mutter-Tochter Gespann geben die zwei jedenfalls nicht ab.


Blick hinter Monistrol d'Allier zurück
Blick hinter Monistrol d'Allier zurück

Ein Blick zurück offenbart, wo wir gestern noch standen: beim Turm der Festung Rochegude, die, wenn man es weiß, ganz entfernt auf dem höchsten Hügel zu erkennen ist.


Die Chapelle Sainte-Madeleine

Nach knapp 2 Kilometern, ungefähr nach einem Drittel des Anstiegs, taucht die Chapelle Sainte-Madeleine auf. Die kleine Kapelle ist teilweise in den Fels hineingebaut und mutet mit ihrem pyramidenförmigen Treppenaufgang fast ein wenig ägyptisch oder felsenstadtmäßig jordanisch an.

Ich hätte mir das Bauwerk gerne auch von innen angeguckt, aber leider ist es verschlossen und kein Schlüsselwächter weit und breit. Schade. Zumindest nehme ich mir Zeit, um den Puls wieder auf Normalniveau zu senken.



Geballte Energie & Bekanntschaft mit SEUIL

Danach geht es weiter nach oben. Kurz vor dem Minidörfchen Montaure ist der heftigste Anstieg geschafft. An einer strategisch günstigen Stelle zum Durchatmen sitzt am Wegesrand Thierry. Er verkauft den Pilgern hier schon seit zehn Jahren pralle Energie in Form von gepressten Bällen aus Datteln, Feigen, Nüssen, Honig und dergleichen, die den Zuckerwert im Blut von 0 auf 300 in unter zwei Minuten katapultieren. Diesen Service lässt er sich auch gut bezahlen, die Energiebombe ist nicht gerade ein Schnäppchen, aber das Geschäft läuft gut.

Zu meiner Freude spricht Thierry auch Englisch. Während ich auf Linda warte, die gerade durch ihre erste Blase etwas ausgebremst wurde, erzählt er mir, dass er jeden Tag eine Menge Pilgergeschichten hört. Das könnte mir auch gut gefallen. Während ich mich unterhalte, gehen die Frau und das Mädchen mit dem Schnuffeltuch stumm vorbei.

"Sie sieht gequält aus und tut mir irgendwie leid", sage ich.

Thierry erklärt mir, dass die Jugendliche mit "SEUIL" unterwegs ist. Die französische Organisation ermöglicht jungen Menschen mit schwierigen Lebensläufen, die mit der Justiz in Konflikt geraten sind, einen sogenannten "marche de rupture". Am ehesten übersetzbar mit: Brich mit dem Alltag-Marsch. Statt ins Gefängnis gehen sie mehrere Monate zu Fuß auf dem Jakobsweg – begleitet von einem Erwachsenen. Im Optimalfall die ganzen 1600 Kilometer von Le Puy bis Santiago. Der Gedanke dahinter ist ziemlich simpel und gleichzeitig radikal: Abstand gewinnen, Verantwortung übernehmen, jeden Tag weitergehen und irgendwann feststellen, dass man deutlich mehr schaffen kann, als man sich selbst zugetraut hat. Das klappt natürlich nicht bei allen. Nicht jeder kommt an. Aber die Erfolgsquoten scheinen gut zu sein.

"Seuil" bedeutet übrigens "Schwelle". Was für eine großartige Initiative, die auch in dem französischen Kinofilm "Caminotherapie" aufgegriffen wird. Warum macht man sowas eigentlich nicht auch bei uns in Deutschland?



Auf der Hochebene Margeride

Irgendwann ist der Aufstieg geschafft und ich bin auf der Margeride angekommen. Die Margeride, ein Wort gallischen Ursprungs, beschreibt das Granithochland, das zum Zentralmassiv gehört. Was ein Kontrast zu dem engen Tal von heute morgen. Die Landschaft wird weiter, ruhiger und deutlich dünn besiedelter. Wiesen, Wälder, Weideland und dazwischen, natürlich, Granitgestein.


Entspannte Rinder auf der Weide
Entspannte Rinder auf der Weide

Die Gegend rund um die Kleinstadt Saugues gehört zum historischen Gévaudan – bekannt geworden durch die sagenumwobene Kreatur von Gévaudan. Hatte es ja schon gestern erwähnt und auch als kleines Holztierchen in einem Vorgarten von Saint-Privat fotografiert. Das war noch relativ niedlich im direkten Vergleich zu dem überdimensionierten Teil, das sie hier zur Begrüßung aufgestellt haben. Unter dem Gesäuge dieser Kreatur kann sich mindestens eine gesamte Schulklasse bei Regen positionieren. Oder ein Haufen Pilger.


Die riesige Kreatur von Gévaudan vor Saugues
Die riesige Kreatur von Gévaudan vor Saugues

BLick auf  Saugues
BLick auf Saugues

Da gefällt mir dieser kunstvolle Kerzenleuchter als Willkommenssymbol schon besser, auch wenn bedauerlicherweise eine der hölzernen Kerzen ihrer ausgesetzten Belastung nicht standgehalten hat. Möchte schon gar nicht wissen, wer da wieder randaliert hat.


Jakobus hinter Saugues
Jakobus hinter Saugues

Hinter Saugues treffe ich dann noch auf diesen Herrn. Auch diese Figur stammt vom selben lokalen Künstler (wie schon Untier und Kerzenleuchter), der sein Handwerk mit der Kettensäge beherrscht. "Pilger, hier geht's lang!", scheint Jakobus zu sagen und weist mir den Weg in Richtung Westen.



Servez vous...

... lese ich auf dem linken Holzschild: Bedienen Sie sich. Eine kleine Pilgeroase mitten in der französischen Versorgungswüste. Wie habe ich mich gefreut, als dieser kleine, liebevoll dekorierte Donativo-Stand nach einem weiteren Anstieg unerwartet am Wegesrand auftauchte (ca. 2 Km vor La Clauze) und mich mit einer Bank, kaltem Wasser aus der Kühlbox und einem Tropfen Sirup beglückte. Auch Kaffee, kleine Glücksbringer und ein Gästebuch (livre D'or) waren vorhanden. Tiefe Dankbarkeit geht raus für das Engagement solcher Menschen!


Pit Stop für Pilger zum Auftanken
Pit Stop für Pilger zum Auftanken

Ankunft beim Turm

Nach einer zehrenden Etappe bin ich so froh, als er kurz vor La Clauze endlich auftaucht: ein achteckiger Turm, der auf einem Granitblock thront und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zu meiner Unterkunft. Keine 50 Meter steht er entfernt. Später beim Abendessen lerne ich von meinen heutigen Gastgebern, dass er der letzte markante Überrest einer ehemaligen Schlossanlage ist. 14. Jahrhundert. Der Zahn der Zeit und der Mensch haben gemeinsam ganze Arbeit geleistet und den Rest der ehemaligen Anlage rundherum wieder unsichtbar gemacht.


Turm in La Clauze
Turm in La Clauze

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Jakobsweg durch La Clauze
Jakobsweg durch La Clauze

3. Übernachtung: Coustette de la Clauze


Zugegebenermaßen. Hier bin ich nur gelandet, weil ich nicht schon in Saugues anhalten wollte. Das war mir zu früh und in den nächsten beiden Dörfern hinter La Clauze war schon alles ausgebucht, also blieb mir nur die luxuriöse Unterkunft (keine klassische Pilgerherberge) die, am Fuß des Bergfrieds liegt. Das Einzelzimmer mit Bad (und Duschhaube! - Wer bitte braucht denn sowas?) hat mein normales tägliches Budget um das Doppelte überschritten. Aber ich kann die moderne Unterkunft uneingeschränkt empfehlen. Es war großartig und jeden Euro wert! Inklusive tollem Essen, Begrüßungssektchen, superhilfreichen Gastgebern, tollem Blick auf Wiesen & Pinienwälder und einer ungestörten Nachtruhe.



Fazit zur dritten Etappe:


Wieder alles richtig gemacht.


Etappe 3 auf einen Blick

Start: Monistrol-d’Allier

Ziel: La Clauze

Entfernung: ca. 22 km

Höhenprofil: zunächst steiler Anstieg auf die Hochebene, anschließend sanfter ansteigend, mit 800 Hm aber eine herausfordernde Etappe

Highlights: Chapelle Sainte-Madeleine in den Fels gehauen, Turm in La Clauze

Der nächste Etappenstopp heißt für mich: St. Alban sur Limogne Wenn du Frau Pilgerhut weiter durch Frankreich begleiten willst, lies weiter im nächsten Beitrag.

Alle Kommot-Tracks unter meinen Beiträgen habe ich selbst mit meiner Garmin Fenix Uhr aufgenommen. Es handelt sich um Bruttozeiten vom Start bis manchmal weit nach der Ankunft, inklusive sämtlicher Pausen, Trödeleien und Vergesslichkeiten. Sie sind nicht als Richtwerte für Gehzeiten zu verstehen.




← Tag 1:
← Tag 1:

Le Puy – Montbonnet

Mein Start auf der Via Podiensis

→ Tag 4:
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La Clauze - St. Alban s. Limogne

Weiterpilgern auf der Via Podiensis

→ Du willst selbst los?
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Mein Etappenplan für dich

→ Mein Via-Podiensis-Check
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Du möchtest wissen, ob die Via Podiensis zu dir passen könnte?


Kommentare


Die Frau (unterm) Pilgerhut:

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Autorin | Pilgerin | Pilgersteinmalerin | Hobbyfotografin |

4 Jakobswege = 1650 km

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Buen Camino!

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